Die FAZ und das "Geistige Eigentum"

Marco Dettweiler wollte einen Blogger zurechtstutzen, geriet aber an Peter Glaser

Arme FAZ. Gestern blamierte sie sich nicht nur mit einer Falschmeldung auf der Titelseite, sondern auch noch mit einer Email, die der in der Zeitung für Computer und Technik zuständige Dr. Marco Dettweiler an Peter Glaser schrieb.

Der hatte zuvor an Dettweiler geschrieben, als er entdeckt hatte, dass dieser den FAZ-Artikel “Wer googelt am häufigsten nach Sex?” mit dem von Glaser früher gebrauchten Wortspiel "Die Welt ist eine Google" eingeleitet hatte. In der in durchaus freundlichem Ton gehaltenen Email machte Glaser Dettweiler darauf aufmerksam, dass er nichts dagegen hätte, wenn dieser bei zukünftigen Verwendungen das Zitat mit seinem Namen kennzeichnen würde.

Was folgte, war eine Mail, bei der man sich – um Dettweiler selbst zu zitieren – "fragte, was [ihm] die Welt getan hat, damit es so mit [ihm] durchgeht." Denn der FAZ-Schreiber verweist darin nicht nur auf 14.400 Google-Einträge, in denen das Wortspiel vorkommt, sondern informiert Glaser auch darüber, dass er dessen Zeitung informiert habe, weil er sich von der Mail "belästigt" fühlte. Und er endet mit dem Postscriptum: "Bloggen sie ruhig weiter, aber lassen sie seriöse Journalisten in Ruhe. Danke!"

Das ist nicht nur (wie Glaser in seinem Blog bei der Stuttgarter Zeitung ausführlich darlegt) deshalb interessant, weil Dettweiler damit indirekt zugibt, die Google Timeline nicht zu kennen (mit der er recht einfach auf Glaser als wahrscheinlichem Urheber des Wortspiels stoßen hätte können) - oder wegen der "Mischung aus Arroganz, Ahnungslosigkeit und Gönnerhaftigkeit", sondern auch aus zwei anderen Gründen: Zum einen, weil Dettweiler offenbar den Bachmann-Preisträger, Ex-Datenschleuder-Redakteur, Sounds-Autor und Tempo-Kolumnisten nicht kennt.

Zum anderen auch, weil die FAZ sich in den letzten Jahren (von Ausnahmen abgesehen) in bemerkenswert unkritischer Weise die Argumentation der Apologeten extremer Immaterialgüterrechteausweitungen zu eigen machte. Eine nicht lizenzierte Verwendung von Glasers Zitat ist (noch) nicht strafbar. Die Verpflichtung, ihn als Urheber zu nennen, kostet nichts, schadet niemanden und gebietet sich nicht aus den WIPO-Verträgen oder einer EU-Richtlinie, sondern allein aus dem Gebot der Höflichkeit. Glaser scheint mit dieser Regelung zufrieden. Geht es dagegen nach manchen FAZ-Autoren, dann könnte Dettweiler für das, was er getan hat, bald im Gefängnis landen.

Das allerdings würde dann noch wesentlich mehr Autoren drohen, auch wenn sie ganz eigenständig auf den doch sehr naheliegenden Satz kamen: Die Leser von Glasers Blog stießen beispielsweise auf einen Eintrag bei flickr, der darauf hindeutet, dass Glaser möglicherweise zwar der Bekannteste, aber nicht der Einzige war, dem das Wortspiel einfiel.

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