Die Grenzen der Klimapolitik

Laut einer Studie des amerikanischen Energieministeriums hat der weltweite Ausstoß an Treibhausgasen im vergangenen Jahr stark zugenommen

Der Klimawandel hat derzeit keinen bevorzugten Platz in der öffentlichen Aufmerksamkeit. Besonders in den USA scheint das politische Programm der Gegner von Umweltschutzregulierungen aufzugehen. Es werden noch mehr Treibhausgase ausgestoßen, der Effekt auf die Erderwärmung wird kleingeredet.

Vergangene Woche beklagten Forscher des MIT einen "alarmierenden Trend": Obwohl die wissenschaftlichen Erkenntnisse über den Klimawandel immer sicherer würden, gehe es in der öffentlichen Wahrnehmung genau anders herum - Umfragen verraten eine deutlich gestiegene Skepsis gegenüber dem Klimawandel. Laut MIT-Professor John Sterman steigt in den USA die Zahl der Zweifler, "trotz der enormen Anstrengungen und des Erfolgs von IPCC und der wissenschaftlichen Gemeinschaft, den Klimawandel und seine Risiken einzuschätzen". Man schaffe es nicht, diese Ergebnisse zu kommunizieren: "Their efforts to communicate those results are not working."

Sein MIT-Kollege, John Reilly, ein Umweltspezialist, verwies diese Woche auf ein weiteres gegenläufiges Phänomen - dass die Kommunikation über den Klimawandel nicht nur in der Öffentlichkeit wenig von dem bewirkt, was man sich verspricht, sondern auch bei den Schalthebeln in Politik und Wirtschaft: "Je mehr wir über die Notwendigkeit sprechen, die Emissionen zu begrenzen, desto stärker nehmen sie zu."

Anlass zu diesem nüchternen Fazit waren die neuen Berechnungen des amerikanischen Energieministeriums, die die Grenzen der bisherigen Klimapolitik deutlich machen. Demnach hat sich der Ausstoß an Kohlenstoff im Jahr 2010 noch weiter gesteigert.

"The world pumped about 564 million more tons (512 million metric tons) of carbon into the air in 2010 than it did in 2009. That’s an increase of 6 percent."

Experten, die wie Reilly an der Erstellung der Berechnungen des US Department of Energy mitwirkten, bewerten dies als "monströsen Anstieg". Die Zahlen würden bedeuten, dass der Ausstoß an Treibhausgasen höher sei, als dies das worst-case-Szenario des Uno-Weltklimarats IPCC 2007 vorgestellt habe. Laut Mitwirkenden des Berichts sind die USA und China für mehr als die Hälfte des Emissionsanstiegs verantwortlich. Immerhin, so stellen Reilly und Kollegen fest, seien die Emissionen bei den Industrienationen zurückgegangen, die 1997 das Kyoto-Protokoll unterzeichnet haben.

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