Die Klima-Müdigkeit breitet sich aus

Der UN-Klimagipfel in Kopenhagen kommt, die Menschen aber scheinen vielfach die Klimaerwärmung und ihre Folgen verdrängen oder davon nichts mehr wissen zu wollen.

In den letzten Jahren wurden zahlreiche Katastrophenszenarien für die Zukunft ausgebreitet, die das Kino aber nicht erst seit dem von Emmerich wiederholt aufbereiteten Ende der Welt schon längst inszeniert hat. Vielleicht haben die Zuschauer ja dann insgeheim das Gefühl, die Katastrophe schon hinter sich und überlebt zu haben. Dazu kamen immer neue Berichte darüber, dass das Eis in der Arktis, in der Antarktis oder in Grönland immer schneller abtaut und die Klimaerwärmung sich beschleunigt. Und Wissenschaftler brachten immer neue Hinweise auf, dass die Klimaerwärmung sehr viel schneller als die schlimmsten Vorhersagen des UN-Klimarats vor sich geht. Es müsste also schnell gehandelt werden.

Man kennt den Effekt der dauernden Beschwörung von Katastrophen, die dann nicht wirklich eintreten oder zu weit weg sind. Es stellt sich Gleichgültigkeit ein, die Aufmerksamkeit erlahmt, zumal wenn wie derzeit die Finanz- und Wirtschaftskrise konkretere und nahe liegendere Gefährdungen mit sich bringt und Ängste aktiviert. Überdies sind Demokratien mit ihren kurzen Wahlperioden möglicherweise nicht geeignet, langfristige Vorsorge zu leisten, die den Menschen jetzt etwas aufbürdet, um künftige Generationen zu entlasten. In einem Beitrag in der aktuellen Ausgabe von Science wird jedenfalls von der Klimamüdigkeit gesprochen, die sich ausbreitet.

Gerade hat Populus im Vorblick auf den UN-Klimagipfel für die Times eine Umfrage gemacht, deren Ergebnis wohl auch für andere Länder gilt. 28 Prozent der Briten fanden, dass die Klimaerwärmung bei weitem nicht das wichtigste Problem für Großbritannien sei, 51 Prozent meinten, es sei wohl ernst, aber nicht ernster als andere Probleme auch. Mit 41 Prozent ist nicht einmal die Hälfte überzeugt, dass man begründet davon ausgehen kann, dass die Klimaveränderung von Menschen verursacht ist. 32 Prozent sagten, es gebe zwar eine Klimaerwärmung, aber es sei nicht bewiesen, dass sie von Menschen verursacht wird. Noch sind die richtigen Klimaverweigerer eine Minderheit, 15 Prozent sind der Meinung, es gebe überhaupt keine Klimaerwärmung, 8 Prozent sagen, es sei nur ein Propaganda der Umweltschützer, dass der Klimawandel von Menschen verursacht wird. Trotz der wachsenden Skepsis ist noch eine Mehrheit für eine Besteuerung von Flugreisen und umweltbelastenden Fahrzeugen sowie für Vorschriften zur Wärmedämmung von Häusern.

So schwindet nicht nur die Entschlossenheit der Obama-Regierung, sich auf Klimaziele zu verpflichten, auch die US-Bürger sehen in der Klimaerwärmung kein so dringendes Problem mehr. Sagten in einer Pew-Umfrage 2008 noch 73 Prozent, dass die Klimaerwärmung ein erstes Problem sei, so waren im September nur 65 Prozent der Meinung. Ebenso ging die Überzeugung zurück, dass es solide Beweise für eine Erwärmung in der letzten Jahrzehnten gibt. Das sagen jetzt noch 57 Prozent, vor einem Jahr waren es noch 71 Prozent. Und in einer Gallup-Umfrage vom März meinten 41 Prozent, die Warnungen seien übertrieben. Das ist ein Rekord, seit Gallup vor 12 Jahren angefangen hat, diese Frage zu stellen.

Dazu hat Telepolis auch eine Umfrage gestartet: In Kopenhagen scheint kein verbindliches Klimaabkommen zustande zu kommen: Wird die angekündigte Klimaerwärmung mit ihren Folgen gegenwärtig zu wenig ernst genommen?

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