Die Mutter aller Job-Auswahlverfahren

35.000 Spanier haben sich für 200 feste Krankenpflegerstellen in Valencia beworben und die Prüfung absolviert

Es war kein normaler Sonntag in Valencia, denn an den Universitäten in der ostspanischen Region am Mittelmeer herrschte Hochbetrieb. Sowohl in der Hauptstadt der Region wie in Alicante fanden die Prüfungen in Auswahlverfahren für eine der 200 festen Stellen als Krankenpfleger in den öffentlichen Krankenhäusern der Region statt. Auf die 200 Jobs hatten sich insgesamt fast 35.000 Menschen aus ganz Spanien beworben, von denen ein Großteil zu den Prüfungen erschien.

Zum Teil sind ganze Familien angereist. "Ich, mein Bruder und meine Mutter nehmen teil", sagte eine junge Frau mit langen gelockten Haaren, die an der Universität von Alicante teilgenommen hat. Sie wollte ihren Namen nicht nennen, teilte aber mit, dass sie aus dem nordwestspanischen Galicien angereist sind. Aus dem zentralspanischen Ciudad Real hat sich Toñi Carretero an die Mittelmeerküste bewegt. "Ich habe keinen Moment gezweifelt, als ich von der Möglichkeit hörte." Er ist seit zwei Jahren ohne Job. Das Sozialgeld in Höhe von 400 Euro läuft nun aus, das in Spanien nur sechs Monate gezahlt wird.

Es war nur eine der Mammut-Prüfungen, die im Dezember fortgesetzt werden. Am 15. soll über weitere 200 Stellen als Verwaltungshilfskräfte in den Krankenhäusern Valencias entschieden werden. Darauf bewerben sich erneut 28.500 Menschen. Doch am Sonntag fand das bisher größte Auswahlverfahren im öffentlichen Dienst in Spanien statt. Denn es waren es doppelt so viele Bewerber als die, die genau eine Woche zuvor an den Prüfungen teilgenommen haben, mit denen 200 Stellen als Hilfskräfte in Krankenhäusern Valencias besetzt werden.

Der Aufwand zur Durchführung der Prüfungen ist enorm. Allein an der Universität in Alicante mussten 120 Hörsäle reserviert werden, um dem Ansturm der Bewerber gerecht zu werden. Der zeigt für die Gewerkschaften, wie verzweifelt viele der sechs Millionen Arbeitslosen schon sind, die zum Teil das letzte Geld auf diese Karte gesetzt haben. Die Arbeitslosenquote stieg im September und Oktober wieder an und die Quote liegt bei knapp 27 Prozent. Spanien wird nur noch von Griechenland übertroffen.

Obwohl für die Stellen am Sonntag eine einfache Schulausbildung ausreichte, befanden sich unter den Aspiranten auch Anwälte, Ingenieure und sogar Ärzte. Die Aussicht auf eine feste Stelle, nur sieben Prozent aller Verträge werden in Spanien unbefristet geschlossen, war ein besonderer Anreiz. Denn ein Brutto-Jahreslohn von 16.000 Euro, was Netto zwischen 900 und 1000 Euro monatlich bedeutet, ist auch in Spanien eher dürftig. Im Fall der Hilfskräfte, über die im Dezember entschieden wird, ist das Netto-Gehalt mit etwa 800 Euro noch geringer.

Leute wie der Zentralspanier Carretero haben nur geringe Chancen auf eine dieser Stellen, auch wenn sie die Themen durchgeackert haben. Deutlich bessere Chancen hat Rosa Carpintero. Sie hat schon acht Jahre im Krankenhaus Vega Baja in der Region Valencia als Aushilfe gearbeitet. Das bringt ihr Vorteile im Punktesystem. Sie ist seit mehr als zwei Jahren arbeitslos, weil die Sparmaßnahmen der letzten Jahre dazu geführt haben, dass in ihrem Krankenhaus Urlaubs- und Krankenvertretungen kaum noch eingesetzt werden.

Die Lage der Familie mit zwei kleinen Kindern ist dramatisch. Auch ihr Mann ist seit sechs Jahren ohne Stelle und beide erhalten keinerlei Unterstützung mehr. Sie klammert sich an diese Hoffnung, denn sie will nicht mehr "jeden Monat in ihrer Familie um Geld bitten, um überleben zu können". Zwei Monate hat sie sich auf die Prüfungen vorbereitet. "Ich habe Möglichkeiten und man muss positiv denken", fügt sie angesichts der Tatsache an, dass nur einer von 177 Bewerbern eingestellt wird.

Noch höhere Chancen malt sich Sergio Cárceles aus Alicante aus. Der 36-Jährige hofft, von seiner Vertretungsstellen im Krankenhaus von Alicante, wo er derzeit arbeitet, auf eine feste Stelle springen zu können. Zwei Jahre büffelt er schon. "Es gibt Leute, die sind noch besser vorbereitet", sagt er und hofft, dass seine Erfahrung ihn auf einen der begehrten Posten hebt. Auch seine kleine Schwester Encarnación hat an der Prüfung teilgenommen. Doch die habe mangels Erfahrung und der Tatsache, nur zwei Monate gebüffelt zu haben, kaum Chancen. "Man muss es versuchen", gibt sie ihm zurück.

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