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Die Sonne ist es nicht

Foto: Jan Huber

Ex-Verfassungsschützer macht mobil gegen Klimaschutz

Schlechte Zeiten für Gegner des Klimaschutzes, Australien brennt [1], das Kongobecken auch [2], Jakarta versinkt in extremen Niederschlägen [3], Venedig ebenso [4] und im Norden Australiens kündigen [5] sich die ersten tropischen Stürme [6] der Saison mit vermutlich schweren Überschwemmungen an. Die Klimakrise ist im vollen Gange und lässt sich nur noch verleugnen, wenn man sich der vollständigen Lächerlichkeit preisgibt.

Das allerdings scheint die sogenannte Werteunion, ein Rechtsausleger der Unionsparteien, vorzuhaben. Es sei die Sonne, behauptet unverdrossen Ex-Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen [7], eine der prominenten Stimmen der Gruppe, der am Klimaschutz offensichtlich ähnlich viel Interesse zeigt wie einst am Kampf gegen den mörderischen rechten Terror des NSU.

Die Geschichte mit der Sonne hat inzwischen einen derart langen Bart, dass die selbsternannten Skeptiker sich vorsehen müssen, nicht drüber zu stolpern. Seit den 1980ern wird sie immer wieder kolportiert. Seinerzeit hatte eine kleine Handvoll Publikationen für ein paar Jahre mit sehr viel gutem Willen eine Korrelation zwischen globaler Temperatur und dem Sonnenfleckenzyklus gefunden.

Bei den meisten Klimawissenschaftler stieß das schon damals auf sehr viel Skepsis, machen doch die Schwankungen der Einstrahlungsintensität unseres Zentralgestirns, die mit dem 11-jährigen Sonnenfleckenzyklus verbunden sind, bestenfalls 0,1 Grad Celsius aus.

Inzwischen ist die Zeit jedenfalls weiter gegangen und von einer Korrelation der beiden Parameter kann auch beim besten Willen nicht mehr die Rede sein. Zum einen nicht, weil die Temperatur – mit Schwankungen überlagert – einen linearen Anstieg zeigt und eben keinen auch nur annähernd dominierenden elfjährigen Zyklus.

Zum anderen nicht, weil die globale Temperatur inzwischen bereits um rund einen Grad über dem Niveau um den Beginn des 20. Jahrhunderts liegt. Beim Deutschen Klimakonsortium findet sich etwas naturwissenschaftlicher Hintergrund [8] zum Einfluss der Sonneneinstrahlung und ihren Schwankungen.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-4629916

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/tp/news/Australiens-Feuer-und-der-Klimawandel-4628247.html
[2] https://twitter.com/AlexoMcVeskov/status/1205477717090742273
[3] https://www.heise.de/tp/news/Jakarta-versinkt-4627374.html
[4] https://www.theguardian.com/world/2019/dec/21/venice-hotel-bookings-drop-by-nearly-half-following-novembers-historic-flood
[5] http://theconversation.com/the-bushfires-are-horrendous-but-expect-cyclones-floods-and-heatwaves-too-129328
[6] https://www.newshub.co.nz/home/world/2020/01/tropical-cyclone-blake-heavy-rain-floods-winds-lash-western-australia-coast.html
[7] https://twitter.com/HGMaassen/status/1211652779082694657
[8] https://www.deutsches-klima-konsortium.de/de/klimafaq-5-1.html