Die Sonne schwächelt

US-Forscherteam prognostiziert das Verschwinden der Sonnenflecken ab 2015. Wird es dadurch kühler auf der Erde?

Alle 11 Jahre beginnt ein neuer Sonnenfleckenzyklus. Dieser ist nicht zu verwechseln mit dem Sonnenzyklus, der 28 Jahre währt. Während des Sonnenfleckenminimums sind üblicherweise fast keine Sonnenflecken zu beobachten. Im Maximum jedoch oft hunderte. Aufgrund sehr geringer Aktivität hatten die Forscher Schwierigkeiten, das Ende des letzten Zyklus und den Beginn des neuen Zyklus zu definieren, da die Sonne fast 800 Tage gänzlich ohne Flecken war. Derzeit befinden wir uns im 24. Zyklus. Prognosen sehen für das Jahr 2013 ein sehr schwaches Maximum voraus.

Die Forscher Matthew Penn und William Livingston vom National Solar Observatory in Tucson (Arizona) haben nun eine Studie veröffentlicht, die für Aufsehen sorgt. Sie vermaßen und beobachteten seit 1998 gut 4.000 Sonnenflecken. Aus den erhobenen Daten folgern sie, dass in den nächsten Jahrzehnten eine fleckenfreie Sonne zu erwarten ist. Möglicherweise mit Auswirkungen auf das Klima der Erde: Durch die geringere Sonnenfleckenaktivität, könnte es kühler werden.

Sonne; Realtime (Bild: Soho, Solar and Heliospheric Observatory, http://sohowww.nascom.nasa.gov)

Welche Auswirkungen die Sonnenflecken für das Erdklima haben, ist umstritten. Schon zu früheren Zeiten zwischen 1645 bis 1715 gab es eine fleckenfreie Zeit, das sogenannte Maunder-Minimum (siehe auch hier). Zu dieser Zeit war die Sonnenfleckenaktivität extrem schwach. Und genau zu dieser Zeit wurde es auf der Erde deutlich kühler. Es gab Missernten und Hungersnöte, Rhein und Themse froren im Winter zu. Das Maunder-Minimum wird daher oft auch kleine Eiszeit bezeichnet. Ob die geringe Aktivität auf der Sonne die damaligen Klimasprünge verursacht hat, ist ein Streitpunkt in der wissenschaftlichen Diskussion - wie auch die Frage, ob dies die Folgen der Treibhausgasemissionen kompensieren könnte (siehe dazu Keine kleine Eiszeit).

Je nachdem, wie die Sonnenfleckenaktivät sich gestaltet, ändern sich allerdings tatsächlich die Temperaturen auf der Erde. Es kommt in bestimmten Regionen dann zu vermehrter Wolkenbildung. Da aber die Schwankungsbreite der auftreffenden Energiemenge nur um 0,1 bis 0,2 Watt pro Quadratmeter variiert, ist noch nicht wissenschaftlich gesichert, welche Auswirkungen zu erwarten sind. Als gesichert gilt, dass zumindest Magnetstürme von der Sonne den Funkverkehr auf der Erde stören können und zu Überlastungen im Stromnetz führen. Ein solcher Magnetsturm legte 1989 weite Teile des nordamerikanischen Stromnetzes lahm. Die Wissenschaft ist allerdings heute in der Lage, vor starken Magnetstürmen eine Vorwarnung auszugeben.

Zusätzlich zur geringen Zahl der Sonnenflecken konnte in der Langzeitstudie beobachtet werden, dass die magnetische Flussdichte in den Sonnenflecken seit 1990 zurückgegangen ist. Von 2.700 auf aktuell 2.000 Gauss. Für das Jahr 2016 wird ein weiterer Rückgang auf 1.500 Gauss erwartet. Nach Penn und Livingston könnte ab 2015 eine Periode beginnen, in der sich überhaupt keine Sonnenflecken mehr bilden.

Sonne mit Eruptionen (Bild: Bildergalerie, Soho)

Da es aber weder eine Erklärung für die Abschwächung der Sonnenaktivität gibt und auch keine Erfahrungswerte über die mögliche Auswirkungen vorliegen, ist noch unbekannt, inwiefern sich die Erde abkühlen könnte. Da es aber gleichzeitig mit der menschengemachten Klimaerwärmung einen gegenteiligen Effekt geben könnte, ist eine Prognose noch schwieriger.

Das nächste Sonnenflecken-Maximum wird - nach neuesten Prognosen - allerdings erst im Mai 2013 erwartet, statt zum Ende des Jahres 2012. Damit dürfte der in Esoterikkreisen so "beliebte" und oft mit der Sonnenaktivität in Verbindung gebrachte 21. Dezember 2012 als Termin für den Weltuntergang zunächst eimmal ausfallen.

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