Die US-Notenbank wirft die Druckmaschinen wieder an

Um die schwache Wirtschaft zu stützen, kauft die FED wieder Staatsanleihen in großem Stil auf

Dass die US-Notenbank (FED) sich um die Nachhaltigkeit des Wachstums große Sorgen macht, hatte ihr Chef Ben Bernanke erst kürzlich deutlich gemacht. Und diese Sorgen wachsen. Deshalb belässt die FED nicht nur das Leitzzinsniveau weiter quasi bei Null, sondern sie hat sich erneut zu massiven Interventionen dokumentation-die-entscheidung-im-wortlaut/50155366.html: entschlossen. Die Notenbank wird die Druckmaschinen wieder anwerfen, um erneut Staatsanleihen zu kaufen. Die Hoffnung ist, dass damit die langfristigen Marktzinsen sinken, um Investitionen und den Konsum anzuschieben. Eigentlich war geplant, die Stimulierung durch die Notenpresse zurückzufahren.

Aus europäischer Sicht könnte man die Konjunkturdaten aus den USA doch fast als paradiesisch bezeichnen. Hatte das Wachstum in der Eurozone im 1. Quartal trotz der Konjunkturprogramme gerade einmal 0,2% betragen, lag es in den USA sogar bei 3,7%, wie das Handelsministerium die bisherige Angabe (2,7%) deutlich nach oben korrigiert hatte. Im 2. Quartal seien es annualisiert immerhin noch 2,4% gegenüber dem Vorquartal gewesen. Der FED bereitet aber große Sorgen, dass der Aufschwung nicht selbsttragend ist und sich deutlich abschwächt. Schließlich wurde im vierten Quartal 2009 ein Anstieg von 5,0% verzeichnet. Doch an der hohen Arbeitslosenquote hatte das kaum etwas geändert. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist extrem hoch, die Erwerbsbevölkerung nimmt weiter ab und das Verbrauchervertrauen sinkt. Damit geht auch die Konsumneigung zurück und die Häuserpreise gehen ebenfalls weiter in die Knie, weil immer mehr Wohnungen auf den Markt kommen, auch wegen der weiter steigenden Zahl der Zwangsversteigerungen.

In den USA sieht man deshalb die Gefahr eines "Double-Dip" wachsen, also dass es zu einem erneuten Rückfall in die Rezession kommt. Die FED schreibt diplomatisch aber nur, dass der Aufschwung "moderater als erwartet" ausfallen werde, um keine Panik entstehen zu lassen. Verantwortlich für den Abschwung im Aufschwung macht man auf der anderen Seite des Atlantiks auch den Sparkurs, der überall in Europa gefahren wird. Der wird, so schreibt die spanische Großbank BBVA, den Spaniern als erste große Volkswirtschaft im Euroraum einen Rückfall in Rezession bescheren. Nach zwei langen Jahren in der Rezession hatte sich das Land 2009 über ein extremes Haushaltsdefizit von 11,2% im ersten Quartal 2010 ein Miniwachstum von 0,1% erkauft. Im zweiten Quartal werden allseits +0,2% erwartet, doch trotz allem geht die BBVA davon aus, dass das spanische Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2010 insgesamt erneut um 0,6% schrumpfen wird. Der Wert ist doppelt so hoch als ihn die Regierung prognostiziert und er ist deutlich realistischer.

Spanien würde damit zu Rumänien, Griechenland und Slowenien aufschließen, die schon den Double-Dip wegen der Sparmaßnahmen erleben. Bei Ländern wie Estland und Litauen, deren BIP im 1. Quartal mit -2,0 und -3,9% jeweils deutlich geschrumpft ist, fehlt nur noch die Bestätigung, dass diese auch im 2. Quartal der Fall ist, um offiziell von einer erneuten Rezession sprechen zu können. Dass die Entwicklung in den USA und in vielen Ländern Europas aber spurlos an der Exportnation Deutschland vorbeigehen wird, sollte niemand ernsthaft glauben

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