Die französische "nukleare Renaissance" stottert mächtig

Das EPR-Vorzeigeprojekt Olkiluto 3 wird voraussichtlich auch 2012 nicht gebaut sein.

Für die vom französischen Präsidenten Sarkozy und manchen anderen beschworene "nukleare Renaissance" sieht es schlecht aus. Der erste Atomreaktor der neuen Generation der Druckwasserreaktoren (EPR), der von Areva (und Siemens) seit 2004 in Olkiluto an der finnischen Westküste gebaut wird, erweist sich immer weiter als Pannenreaktor, der Milliarden verschlingt. Auch beim zweiten Reaktor, der seit 2007 in Flamanville errichtet wird, häufen sich Probleme und Verzögerungen.

Das wird die Begehrlichkeit nach den französischen Reaktoren nicht gerade steigern, die Sarkozy überall auf der Welt an den Mann bringen will. Vereinbarungen gibt es bereits mit Großbritannien und Italien, aber Absprachen gibt es etwa auch mit Libyen, Algerien, Marokko, Abu Dhabi oder Saudi Arabien.

Bei dem finnischen Olkiluoto 3 (OL3) ist weiterhin ungewiss, wann er überhaupt fertig gestellt sein könnte. Eigentlich war der Start für 2009 vorgesehen, dann wurde er auf 2011 verschoben, schließlich auf 2012. Jetzt sagt der finnische Energiekonzern TVO, dass es auch später werden könnte als Juni 2012, der Termin, den Areva zulegt angegeben hatte. Mittlerweile wird damit gerechnet, dass der Bau bis zur Fertigstellung 10 Jahren dauern könnte. Am 15. Oktober wurde ein Baustopp für Schweißarbeiten verhängt. Schwierigkeiten gibt es auch bei dem Automatisierungssystem.

Mit der Verzögerung wachsen auch die Kosten. Ursprünglich sollte der Reaktor 3 Milliarden Euro kosten, letztes Jahr war man bereits bei 4,5 Milliarden. Schon damals machte TVO deutlich, dass man die Mehrkosten nicht übernehmen werde. Sie müssen also vom französischen Staatskonzern getragen werden. TVO fordert überdies die Zahlung von Hunderten von Millioenen Euro, um den Verlust durch die Verzögerung der Inbetriebnahme zu kompensieren. Jetzt geht man von Gesamtkosten von mindestens 5,3 Milliarden Euro aus - und bis 2012 und später ist es noch lange hin.

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