Die sind arbeitslos, aber HALO

Neben der Spur

Jungs wollen eher Spaß als Arbeit. So eine aktuelle Erhebung, die natürlich überrascht

An der Universität von Chicago hat man geforscht. Und zwar unter jungen Männern. Beziehungsweise hat man versucht, einen Zusammenhang zwischen der zunehmenden Arbeitslosigkeit und dem vermehrten Konsum von Videospielen herzustellen.

Gut, das klingt jetzt erst einmal merkwürdig, aber die Studie stieß darauf, dass heute doppelte so viele junge Männer in der Zielgruppe (das gilt für die USA, da lief die Studie) arbeitslos sind und noch bei ihren Eltern leben als um 2000 herum. Merkwürdig sei nur, dass die Zufriedenheit dieser Gruppe signifikant angestiegen sei. Und auch scheinbar die Nutzung von virtuellen Spielumgebungen. Also kurz gesagt: Junge Männer arbeiten im Schnitte weniger und daddeln mehr.

Das ist eine merkwürdige Zusammenfassung. Das scheint auch eine merkwürdige Argumentation zu sein, aber die Leiter der Studie, Mark Aguiar, Mark Bils, Kerwin Charles und Erik Hurst, weisen darauf hin, dass im Vergleich zu den 15 Jahren zuvor jetzt nur noch 72 statt 82 Prozent der männlichen Jugendlichen ohne College-Abschluss einem Job nachgehen, und für jede Stunde, die sie im Schnitt weniger arbeiteten, seien die Spielstunden für Cutting Edge Videogames hochgegangen. Wir sprechen also nicht unbedingt von einem PAC MAN-Siegeszug wegen anhaltender Arbeitslosigkeit in den USA.

Der Zusammenhang wirkt ein bisschen so, als würde jemand mit seinen angezogenen Schuhen und einem ziemlichen Schädel auf dem Bett aufwachen, und natürlich sofort den Zusammenhang erkennen. Es muss sich um eine Lederallergie handeln, die immer dann in Kopfweh umschlägt, wenn noch Alkohol ins Spiel kommt. Man könnte die Ergebnisse der Studie nämlich auch lesen als: Immer mehr junge Männer mit fehlendem Schulabschluss bleiben wegen der ökonomischen Lage und den Verschiebungen auf dem Jobmarkt arbeitslos und suchen sich deshalb Trost, indem sie HALO spielen. Das geben die Zahlen auch her.

Dass immer mehr junge Menschen im Hotel Mama leben, kennt man auch aus Ländern wie Italien und Spanien. Vor allem zu Hochzeiten der Arbeitslosigkeit war das dort zu beobachten. Vermutlich kein Ansteigen der Verkaufszahlen von Spielkonsolen mit VR-Kapazitäten. Kann dort aber natürlich eine Geldfrage sein.

Was die Studie in Chicago nicht untersucht: Welche Auswirkungen das Zusammenleben mit den Söhnen auf die Väter hat, die ihren Filius nun nicht ausziehen sehen und wahrscheinlich in große Depression darüber verfallen. Vermutlich müssten die Studienleiter nur einmal den Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit, Hotel Mama und den Schadensersatzzahlungen von Ashley Madison anschauen, die gerade 11.2 Millionen USD für Schadensersatz an betroffene Männer bereitstellen, die durch ein Datenloch bekannt wurden. Das hört sich nun wirklich abstrus an.

Vielleicht ist es der angebliche Zusammenhang zwischen Videospielen und Arbeitslosigkeit auch.

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