Dieselskandal: Sie können es nicht lassen

Bild: herbert2512

Neuer Verdacht gegen Daimler, Anklageerhebung gegen ehemalige VW-Manager und neue Ergebnisse über die schädlichen Auswirkungen von Feinstaub und Stickoxiden auf Kleinkinder

Nachdem am Wochenende bekannt wurde, dass es bei Daimler den Verdacht auf den erneuten massenhaften Einsatz von Betrugssoftware gibt, wurde am Montag nun nach mehreren Jahren der Ermittlungen gegen den ehemaligen VW-Chef Martin Winterkorn Anklage erhoben. Das berichtet unter anderem das Handelsblatt mit Agenturmeldungen.

Demnach hat die Staatsanwaltschaft Braunschweig auch gegen vier weitere VW-Manager die Anklageschrift bei Gericht vorgelegt. Für den Tatzeitraum 2006 bis 2015 lauten die Vorwürfe auf Untreue, Steuerhinterziehung sowie mittelbare Falschbeurkundung vor. Winterkorn wird zusätzlich vorgeworfen, die rechtswidrigen Manipulationen an Diesel-Motoren nicht umgehend bekanntgemacht zu haben, nach dem er von diesen am 24. April 2014 erfuhr. Von "Betrug in einem besonders schweren Fall" ist die Rede.

Vorwürfe gegen Daimler

Über die neuen Vorwürfe gegen Daimler unter anderem in der Berliner taz, heißt es, dass das Kraftfahrtbundesamt ein formelles Anhörungsverfahren gegen den Hersteller eröffnet habe. Es gehe um rund 60.000 Pkw des Modells GLK 220 CDI mit der Abgasnorm 5, die zwischen 2012 und 2015 produziert worden seien.

Die Fahrzeuge würden im Straßenbetrieb die Grenzwerte von Fahrzeugemissionen von 180 Milligramm pro Kilometer deutlich überschreiten. (Diese Grenzwerte sind nicht zu verwechseln mit den für die Umgebungsluft geltenden Grenzwerten. Diese beziehen sich auf Stundenmittelwerte pro Kubikmeter und sollten auch nicht mit den Arbeitsplatz-Grenzwerten verwechselt werden.)

Wie in den anderen Fällen auch sorgt eine Software dafür, dass die Wagen der inkriminierten Bauserie die Normen nur auf Prüfständen erreichen. Die dafür notwendige Funktion werde aber im Alltagsbetrieb auf der Straße abgeschaltet. Außerdem wird dem Unternehmen vorgeworfen, bisher unbekannte betrügerische Routinen, das heißt Programmteile, aus seiner Software entfernt zu haben, ohne dass das Amt davon in Kenntnis gesetzt worden sei. Das würde als weitere Straftat gelten.

Abgase: Entwicklung von Kinder verzögert

Unterdessen berichtet die New York Times von einer US-amerikanischen Studie, nach der Kinder, die in der Nähe viel befahrener Straßen aufwachsen, in der Entwicklung verzögert sind. Durchgeführt wurde sie an 5,825 Kindern im Ostküstenbundesstaat New York außer von New York City.

Dafür füllten Eltern von Kleinkindern in den ersten drei Jahren nach der Geburt sechs mal in festgelegten Intervallen ausführliche Fragebogen zum Entwicklungsstandes ihrer Kinder aus. Sodann wurde für den jeweiligen Wohnort die Schadstoffbelastung in der Luft gemessen. Das geschah mit Angaben der Verkehrsbehörde über Verkehrsdichte und Standardausbreitungsmodellen der Umweltbehörde für PM2.5-Feinstaub (Teilchen mit Durchmessern von 2,5 Mikrometern und kleiner) sowie Ozon – wofür vermutlich auch Wetterdaten herangezogen wurden.

Ozon entsteht bei Sonnenschein, hohen Stickoxidkonzentrationen und ruhigem Wetter aus Sauerstoff. Es ist chemisch sehr aggressiv, aber sehr kurzlebig, und greift unter anderem die Atemwege an, kann aber auch bei Nutzpflanzen zum Teil nicht unerheblichen Schaden anrichten.

Das Ergebnis der Studie: Lebte die Mutter in der Schwangerschaft sowie die Kleinkinder näher als einen Kilometer an viel befahrenen Straßen, so ist eine zum Teil deutliche auf jeden Fall aber statistisch signifikante Verzögerung in verschiedenen Bereichen auszumachen. Allgemein galt, je näher an der Straße, desto größer die Verzögerung sowohl beim Spracherwerb als auch bei anderen Entwicklungsmerkmalen.

Die Forscher regen weitere und vor allem größer angelegte Untersuchungen an. Allerdings meinen sie, dass ihre Ergebnisse bereits Anlass für größere Anstrengungen in der Luftreinheit geben sollten.

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