Dreißig Jahre Kartenlegen

Microsoft Solitaire hat nun dreißig Jahre auf dem Buckel, Zeit für ein Revival

Seit dem 22.Mai 1990 musste die Geschichte des Computers anders weitergeschrieben werden. Es gibt durchaus ernstzunehmende Historiker, die Windows nicht annähernd diese Erfolgsgeschichte zugestanden hätten, wäre ein kleines, aber feines Programm außen vor gelassen worden.

Solitaire.

Vor dreißig Jahren schnürte Steve Ballmer das Betriebssystem mit dem wahren Grund für Windows 3.0 zusammen und landete nur wegen dieser verkaufsfördernden Massnahme einen Erfolg, den auch heute kaum ein Kartenprogramm auf den Tisch legen kann. Kaum ein ernst und angestrengter White Collar Worker, der nicht dann zum heimlichen Spiel griff, sobald Sekretärin, Mitarbeiter oder Boss aus dem Büro gelaufen waren. Sollte man meinen. Aber mitnichten. Entweder spielen die gleichen verdienten Mitarbeiter immer noch ein gutes Blatt auf dem Computer oder aber Soltaire hat einen Autoplay Modus, von dem wir alle nichts wussen.

Denn in 200 Ländern und 65 verschiedenen Sprachen legen immer noch 35 Millionen SpielerInnen pro Monat bis zu 100 Millionen Blätter. Da kann man doch sogar am Erfolg von Fortnite zweifeln. Wieso sich einsam durch eine Insel ballern, wenn es mit einem einfachen Kartenspiel im stillen Kämmerchen auch geht.

Dabei ist das erst der Anfang, dass alte Spiele aus dem letzten Jahrhundert immer noch ihre treue Nutzerschaft bedienen. Pacman wird nächsten Monat in Twitch zu spielen sein. Man kann sich nur grob ausmalen, was das für eine Weltkultur bedeutet, wenn der kleine gelbe Ball sich wieder durch ein Labyrinth frisst, ohne auch nur einen Punkt am Leben zu lassen. Vermutlich kann dann Fortnite ganz aufgeben. Dieser neumodische Kram wird sich gegen Pacman nie im Leben durchsetzen.

Das hat sich vermutlich auch Tinder gedacht, das nun alle Ländergrenzen fallen lassen will. Damit kann man – einen ausdauernden Daumen vorausgesetzt – über alle Grenzen hinweg durch die Profile swipen. Und das kann dann schon eine ganze Weile dauern. Wer da nicht sofort an Solitaire und eine zeitgemäße Variante des Kartenspiels denkt, dem ist auch nicht zu helfen. Balzwillige Menschen werden durch gezieltes Swipen ein riesiges, vrtuelles Kartendeck anlegen. Das ist eh der einzige wirklich Grund, warum sie online gehen, und hier schließt sich der Kreis zu Windows 3.0 dann wieder.

Dummerweise wird Tinder noch eine Weile warten, bis die Animation von Solitaire für den perfekten Match aller Karten implementiert ist. Das halte ich persönlich für einen großen strategischen Fehler, aber vielleicht kann man ja Steve Ballmer bei Tinder anwerben, der wird den Ball dann schon ins Rollen bringen.