E-Zigaretten als Einstiegsdroge für Tabakzigaretten?

In den USA greifen immer mehr Schüler zu den E-Zigaretten, die FDA will sie als Tabakprodukte regulieren, in der EU sollen sie mit einer neuen Direktive als medizinische Produkte gelten

Ich war ein starker Raucher. Es ging um Nikotin. Mit rauchlosen elektrischen Zigaretten habe ich keine Erfahrung, ich muss auch gestehen, dass ich niemanden kenne, der diesem Laster nachgeht, anstatt Rauch von verbrennendem Tabak Nikotindampf mit Aromastoffen, zu 90 Prozent Propylenglykol, zu inhalieren. Das Tabakrauchen ist in den letzten Jahren immer stärker verpönt worden, so dass das Image der Raucher abgestürzt ist und Rauchverbote ohne großen Widerstand durchgesetzt werden konnten.

Der Trend scheint in den USA auch so zu bleiben, allerdings werden vor allem unter den jungen Menschen elektrische Zigaretten beliebter. Das kann auch damit zu tun haben, dass sie nicht nur als weniger schädlich gelten, sondern mit ihren Nikotinkapseln oder Liquids, deren Inhalt durch Wärme zerstäubt wird, technische Produkte darstellen, was man einer normalen Tabakzigarette zumindest nicht ansieht. E-Zigaretten werden auch beworben, weil sie angeblich dazu dienen können, mit dem Tabakrauchen aufzuhören. Sie sollen also kein Sucht-, sondern ein Entwöhnungsmittel sein.

In Österreich gelten sie wie in Dänemark schon lange als Arzneien, weswegen die Nikotinkapseln nur in Apotheken verkauft werden dürfen. In Deutschland gehören E-Zigaretten nach Gerichtsurteilen nicht zu den Arzneimitteln oder Medizinprodukten, E-Rauchen fällt auch nicht unter das Rauchverbot, wie das die NRW-Landesregierung versucht hatte, auch wenn die Bundesregierung die E-Zigaretten als zulassungspflichtige Arzneimittel betrachtet, die auch online nicht gehandelt werden dürfen. Gefordert wird eine EU-weite Regulierung. Im Gesundheitsausschuss des EU-Parlaments wurde eine neue Direktive mehrheitlich verabschiedet, nach der E-Zigaretten als medizinische Produkte gelten. Offenbar unter großem Druck der Lobby-Verbände sollen sie aber doch nicht nur in Apotheken verkauft werden dürfen, weil sie angeblich der Raucherentwöhnung dienen. Das EU-Parlament wird im Laufe dieses Monats über die Direktive entscheiden.

In den USA sind die elektrischen Zigaretten noch unreguliert, die FDA will sie als Tabakwaren einstufen, sagt aber, es gäbe noch keine verlässlichen Informationen über die Komponenten und die möglicherweise gesundheitsschädlichen Inhalte. Ob der Dampf der E-Zigaretten gesundheitsschädlich ist, darüber wird gestritten, Einigkeit herrscht jedoch darüber, dass die Belastungen für den Raucher bestenfalls klein sein dürften. In Brasilien, Norwegen, Kanada und Singapur sind E-Zigaretten verboten

Nach Angaben der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) hat sich die Zahl der E-Raucher bei den Mittel- und Oberschülern von 2011 bis 2012 mehr als verdoppelt. 2011 hätten 4,7 Prozent der Schüler angegeben, schon mal e-geraucht zu haben, 2012 waren es schon 10 Prozent. 1,78 Millionen Schüler haben E-Zigaretten zumindest einmal probiert.

Den Trend findet man bei den CDC beunruhigend, weil E-Zigaretten wegen des Nikotingehalts als Einstieg für den Konsum normaler Zigaretten gelten. Nikotin sei ein Suchtmittel: "Viele Teenager, die mit E-Zigaretten beginnen", so CDC-Direktor Tom Frieden, "können dazu verurteilt sein, mit einer lebenslänglichen Abhängigkeit von Nikotin und normalen Zigaretten zu kämpfen." Nach den CDC würden nämlich 76 Prozent der Schüler, die einmal in den letzten 30 Tagen eine E-Zigarette probiert haben, in dieser Zeit auch normale Zigaretten rauchen. 20 Prozent der Mittelschüler, die angaben, schon einmal e-geraucht zu haben, hätten niemals eine normale Zigarette geraucht.

Und weil 90 Prozent der Raucher als Teenager mit dem Rauchen beginnen, müsse man, so Tim McAfee, Direktor der CDC-Abteilung für Rauchen und Gesundheit, verhindern, dass Jugendliche mit dem Rauchen experimentieren, indem Strategien entwickelt werden, um die Werbung für E-Zigaretten, deren Verkauf und deren Konsum durch Jugendliche zu verhindern. Man kenne die langfristigen Folgen der "neuen Tabakprodukte" nicht, heißt es bei den CDC. Es gebe auch noch keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass E-Zigaretten erfolgreich eine anhaltende Raucherentwöhnung für Tabakzigaretten fördern, während es bereits geprüfte Entwöhnungsstrategien und –methoden gebe, die dies leisten.

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