E10 - Cui bono?

...Beimischung wird verdoppelt, obwohl Biosprit klimaschädlich ist

Die Bundesregierung will den Biospritanteil beim Benzin schon im kommenden Jahr erhöhen. Vom 1. Januar 2011 an soll an deutschen Tankstellen Sprit mit zehn Prozent Ethanol angeboten werden - wenn der Bundesrat die Pläne bei der Abstimmung Mitte Dezember nicht doch noch verhindert. Mit der 10%igen Beimischung wird der maximale Rahmen der EU-Biosprit-Richtlinie ausgeschöpft.

Offiziell gilt die Begründung, die Norbert Röttgen bei der Vorstellung der Pläne nannte: "Wir wollen mit der Erhöhung des aus Pflanzen gewonnenen Biosprits den CO2-Ausstoß der Autoabgase senken und damit auch die knapper werdenden Erdölreserven schonen." Laut ADAC können 90 Prozent aller Benziner E10 tanken.

Was als Klimaschutz daherkommt, ist zuerst Agrarförderung mit einer garantierten Verdoppelung der Produktions- und Abnahmemenge. Und indirekt auch eine Förderung des Absatzes neuer Autos, denn auf die 10% alter Autos, die den E10 Sprit nicht vertragen, soll nur bis 2013 Rücksicht genommen werden und bis dahin auch Kraftstoffe mit weniger Ethanol angeboten werden. Das Institut für Europäische Umweltpolitik (IEEP) hat jetzt eine Studie vorgestellt, die einen Klimanutzen von Biosprit bestreitet. Und vorrechnet, dass die EU-Pläne das Klima nicht schützen, sondern zusätzlich schädigen.

Anhand der nationalen Aktionspläne von 23 EU-Mitgliedstaaten wurde berechnet, dass mit Einführung der E10-Agrokraftstoffe (geplant: 9,5 Prozent des gesamten Treibstoffbedarfs im Verkehrssektor bis 2020, 90 Prozent davon aus Energiepflanzen vom Acker) ein zusätzlicher Flächenbedarf von 69.000 Quadratkilometer entsteht - das ist die doppelte Fläche Belgiens.

Außerdem verursache der Anbau zusätzliche 27 bis 56 Millionen Tonnen CO2-Emissionen. Die Treibhausgasbilanzen der Agrokraftstoffe sind damit nach Berechnungen des IEEP im Schnitt um 81 bis 167 Prozent schlechter als die fossiler Kraftstoffe.

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