EDF muss vier Atommeiler wegen Problemen vom Netz nehmen

Bei Wartungsarbeiten wurde ein Defekt im Kesselsystem gefunden, teilte der französische Konzern am Montag mit

Als Vorsichtsmaßnahme bezeichnet es der französische Energieversorger EDF, dass inzwischen vier Atomreaktoren in Großbritannien abgeschaltet wurden. Nachdem sich im Reaktor in Heysham 1 Probleme im Kesselsystem bestätigt haben, wurde nicht nur dieser Meiler abgeschaltet, sondern auch der baugleiche zweite Meiler in Heysham und dazu die beiden Meiler in Hartlepool an der Ostküste. In einer Erklärung teilte die EDF mit, dass einer der beiden Heysham-Reaktoren mit reduzierter Kraft wohl bald wieder angefahren werden könne. Die vier Meiler produzieren insgesamt etwa 10% des britischen Stroms.

Erstaunlich an dem Vorgang ist, dass die Probleme am Kesselsystem schon vor einem Jahr festgestellt wurden, als eine Ultraschall-Untersuchung zu einem "unerwarteten Ergebnis" kam: "During the Heysham 1 Reactor 1 planned statutory outage in 2013, an unexpected result was found during routine ultrasonic inspection of a boiler spine." Das Atomkraftwerk sei danach Anfang 2014 nur mit reduzierter Leistung wieder angefahren worden. Im Juni seien bei einem geplanten Stillstand dann durch Untersuchungen die Probleme bestätigt worden.

Offenbar ist auch der EDF noch völlig unklar, um welche Probleme es sich handelt, denn der Konzern erklärt, der Meiler bleibe abgeschaltet, während man versuche, die Art des Schadens zu evaluieren. "Heysham 1 Reactor 1 remains shut down while work continues to characterise the nature of the defect."

Allein die Tatsache, dass baugleiche Reaktoren komplett abgeschaltet wurden, weist darauf hin, dass die Probleme durchaus ernsthaft sein müssen. Die EDF geht davon aus, dass die Untersuchungen mindestens acht Wochen dauern werden. Doch diese Aussage ist mit Vorsicht zu genießen, wenn zunächst nicht einmal das Problem geklärt ist. Der KOnzern erklärt, andere Meiler in Großbritannien seien nicht betroffen, weil sie nicht baugleich seien. EDF betreibt noch diverse andere Atomkraftwerke. Hunterston und Torness in Schottland, Heysham 2, Dungeness B, Hinkley Point B und Sizewell B.

In Schottland weht in vielen Bereichen ein anderer Wind als in England, wo weiter auf Atomkraft gesetzt wird.Auch die Atomkraft ist ein Grund, warum die schottische Regierung auf die Unabhängigkeit setzt, worüber am 18. September abgestimmt wird. Schottland will die Erzeugung von regenerativem Strom massiv ausbauen und aus der Atomkraft aussteigen. In Schottland hatte das, anders als in Deutschland, wenig mit dem Gau in den Fukushima-Reaktoren zu tun. Längst war geplant, dass die beiden Reaktoren Hunterston B nahe Glasgow 2016 nach 40 Jahren Laufzeit abgeschaltet werden. Und 2023 soll dann der Ausstieg mit der Abschaltung der beiden Blöcke Torness bei Edinburgh abgeschlossen sein. Schon 2007 hatten die Schotten auf die fehlende Endlagerung verwiesen. Schottland sei nicht bereit, enorm hohe Kosten zukünftigen Generationen aufzubürden, wurde damals gegenüber London argumentiert.

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