EZB verdiente Milliarden an Griechenland

Nach dem Ökonomen Yanis Varoufakis war die EZB vom Schuldenschnitt ausgenommen und kann nun eine stattliche Rendite einstecken

Wenn die Zahlen korrekt sind, die der Wirtschaftsprofessor Yanis Varoufakis von der Athener Universität vorlegt, dann hat die EZB gerade zwei Milliarden Euro realisiert, die sie an ihren Griechenland-Rettungsversuchen verdient hat.

Vergangene Woche wurden Anleihen mit einem Nennwert von 5,6 Milliarden Euro fällig, die die EZB 2010 und 2011 im Rahmen ihres ersten Rettungsversuchs am Markt angekauft hatte, und die nun vertragsgemäß voll getilgt wurden.

Bezahlt hat die griechische Regierung, die sich dafür letzte Woche 4,2 Milliarden Euro vom EU-Stabilitätsfonds ESM ausleihen musste und noch 1,4 Milliarden an eigenen "Ersparnissen" dazugelegt hat. Wären diese Bonds "normal" restrukturiert worden, wären sie noch lange nicht fällig und weniger als eine Milliarde Euro wert gewesen. Weil die EZB aber von den seither erfolgten Schuldenschnitten ausgenommen wurde, wurden die Papiere im Nennwert von 5,6 Milliarden Euro nun ohne Abstriche getilgt. Allerdings hatte, Varoufakis zufolge, die EZB damals nur 3,6 Milliarden für die Papiere bezahlt, was ihr nun eine Spekulationsgewinn von zwei Milliarden bzw. in zwei Jahren eine "Rendite" von 55,6 Prozent einbringt.

Für Griechenland war der Nutzen dieser EZB-Aktion jedenfalls überschaubar. So hatte der damalige Notenbankchef Trichet für diese Käufe – wohl um Deutschland zu beruhigen - von Anfang an ein Limit von 200 Milliarden Euro verlauten lassen, was die Aktion vollends scheitern ließ und nur noch mehr Finanzmarktspekulanten dazu motiviert hatte, sich mit Spekulationen gegen die Eurozone die Taschen zu füllen.

Nun ist nicht ausgeschlossen, dass die EZB ältere Auskünfte wahr macht und allfällige Gewinne an die betroffenen Länder zurückgibt. Dafür sei laut Varoufakis jedoch die Zustimmung aller Eurozonenländer erforderlich, welche bislang jedenfalls nicht vorliege.

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