Edja Snodow-Film begeistert Berliner Politik

Politische Prominenz wohnte der Deutschland-Premiere von Biopic über russischen Dissident bei

Berlin. Die Verfilmung der abenteuerlichen Flucht des russischen Dissidenten Edja Snodow, der als Whistleblower die allumfassende Überwachung durch den russischen Geheimdienst enthüllte, stieß bei ihrer gestrigen Deutschland-Premiere im politischen Berlin auf große Resonanz.

Bundespräsident Joachim Gauck persönlich würdigte den Spielfilm als Mahnung und Ansporn für Bürgersinn und Zivilcourage. Das Werk stelle Russland schonungslos als totalitäres System dar, das skrupellos Freund wie Feind bespitzele. Stellenweise habe ihn der Streifen an die deutsche Kinoproduktion "Das Leben der anderen" erinnert, wo grandios der Unrechtsstaat DDR vorgeführt worden sei. Gerade die Deutschen hätten eine historische Verpflichtung, die hart erkämpften Bürgerrechte vor der Neugierde der Geheimdienste zu verteidigen. Gauck lobte ausdrücklich die USA, die Snodow Asyl gewährt haben, als verlässlichen Partner freiheitlicher Politik. Er, Gauck, habe Probleme mit Staaten, welche Bürgerrechte nicht achteten.

Bundesaußenminister Frank Walter Steinmeier würdigte ebenfalls Snodows Verdienste. So war durch die Snodow-Dokumente bekannt geworden, dass seinerzeit die DDR auf Druck Russlands heimlich 5% ihres Fernmeldeaufkommens an das KGB ausgeleitet hatte. Russland habe sich nach Gutsherrenart benommen und gemeinsam mit der willfährigen politischen DDR-Führung gegen die Menschen in Ostdeutschland konspiriert, so Steinmeier. Ein solches Vorgehen ohne gesetzliche Grundlage sei in westlichen Staaten unvorstellbar.

Der bayrische Ministerpräsident Horst Seehofer merkte an, solche Zustände seien im Freistaat Bayern undenkbar gewesen. Hätte es sich in Bayern eine fremde ausländische Macht herausgenommen, Abhörantennen aufzustellen und das deutsche Fernmeldenetz zu bespitzeln, hätte die CSU einen solch dreisten Rechtsbruch mit aller Härte bekämpft. Sein hessischer Amtskollege Volker Bouffier kritisierte allerdings den Film als stellenweise unglaubwürdig. So halte er die Darstellung für abwegig, dass ein Land bereit wäre, ein Abhörzentrum einer fremden ausländischen Macht auf Kosten des eigenen Steuerzahlers zu finanzieren.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel mahnte Putin, es sei nun höchste Zeit, endlich auch in Russland ein Whistleblower-Schutzgesetz einzuführen. Gabriel hob zudem Snodows Selbstlosigkeit hervor, an der sich die deutschen Lokführer ruhig mal ein Beispiel nehmen könnten.

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