Effekt eher bescheiden

Agrartreibstoff ist alles andere als emissionsfrei

Agrartreibstoff vermeidet Treibhausgasemissionen, verkündet die vom Bundesumweltministerium gesponsorte Informationskampagne "Unendlich viel Energie" anlässlich der anrollenden Reisewelle. Auch in diesem Jahr würden trotz hoher Energiepreise die Autobahnen wieder verstopft sein, aber die nachwachsenden Rohstoffe würden CO2-Emissionen vermeiden helfen.

Die mitgelieferte Infografik lässt allerdings etwas anderes vermuten. An ihr lässt sich ablesen, wie gering der Einspareffekt bei den meisten Kraftstoffen ist. Besonders schlecht schneidet Diesel aus Rapsöl ab. Energieeinsatz für Anbau, Ernte und Aufbereitung erfolgt meist mit fossilen Energieträgern und verursacht daher nachhaltige CO2-Emissionen. (Bei der Verbrennung von Agrartreibstoffen entsteht ebenfalls CO2, doch wird dieses von den nachwachsenden Pflanzen wieder gebunden. Diese Emissionen führen daher nicht zum nachhaltigen Anstieg der Treibhausgasemissionen in der Atmosphäre.) Besonders problematisch ist die Ethanolherstellung, wenn dafür – wie in Ostdeutschland häufig der Fall – der dafür verwendete Strom aus Braunkohlekraftwerken kommt.

Im ersten Drittel des Jahres 2008 seien in Deutschland 1,2 Millionen Tonnen Agrartreibstoffe verkauft und damit 3,3 Millionen Tonnen CO2-Emissionen vermieden worden, wird Jörg Mayer, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien zitiert. Zum Vergleich: Ein Tempolimit würde zwei Millionen Tonnen Emissionen im Jahr vermeiden. Mehrere Dutzend Millionen Treibhausgase würde hingegen Jahr für Jahr weniger in die Luft geblasen, wenn der Last- und Personenverkehr konsequent auf die Schiene verlagert würden. 2005 wurden in Deutschland 152 Millionen Tonnen CO2 im Straßenverkehr produziert, oder vermutlich noch zehn bis 20 Millionen Tonnen mehr. Die Emissionen werden nämlich aufgrund der im Inland verkauften Mineralölmenge berechnet, wodurch der zum Teil intensive Tanktourismus an den Grenzen unberücksichtigt bleibt.

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