Eigentlich ist Deutschland mit mehr als 6 Billionen Euro verschuldet

Schuld sind nach dem Finanzwissenschaftler und Marktliberalen Bernd Raffelhüschen die Sozialkosten

Nach dem Bund der Steuerzahler ist mittlerweile jeder Deutscher mit 20.600 Euro verschuldet. Das klingt noch relativ bescheiden, macht aber insgesamt 1,685 Billionen Euro aus, wobei pro Sekunde fast 4.500 Euro dazu kommen.

Das aber stimme gar nicht, die wirklichen Schulden Deutschlands würden nach einer Studie des Finanzwissenschaftlers Bernd Raffelhüschen, der bekanntermaßen für die weitere Liberalisierung eintritt, mehr als 6 Billionen betragen, so berichtet die Welt. Nach seinen für die Stiftung Marktwirtschaft, in deren Vorstand Raffelhüschen sitzt, der auch Berater der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft ist, kämen zu den bestehenden Schulden künftige Kosten des Sozialstaats.

Man wird schon ahnen, was der Finanzwissenschaftler damit aussagen will. Allerdings könnten seine Warnungen, die die Welt publiziert hat, natürlich trotzdem zutreffen. Es ist immer die Frage, welche Konsequenzen man daraus zieht. Mit dem gerade beschlossenen Bundeshaushalt steigt die Neuverschuldung um mehr als 80 Milliarden und damit die Gesamtverschuldung auf 77 Prozent des BIP. Aber neben diesen "sichtbaren" Schulden gebe es noch versteckte: "Noch viel stärker als die sichtbare Verschuldung von Bund, Ländern und Kommunen schlagen die Schulden, die in unserem Sozialstaat versteckt sind, zu Buche."

Die sollen dann 172 Prozent des BIP aus machen. Nur 83 Euro müssten jeder Deutsche monatlich zur Begleichung der offenen Staatsschulden bezahlen, mit neun Euro schlage sich die Wirtschaftskrise nieder, 193 müsste aber jeder für die verdeckten Schulden monatlich zahlen. Gesundheitssektor, Beamtenpensionen, Pflegeversicherung und die Rente schlagen hier in Zukunft zu. Aus diesen nicht gedeckten Leistungsversprechen ergebe sich die Belastung durch die "Nachhaltigskeitslücke" für die Zukunft, die sich auch in den letzten Jahre vergrößert habe. Man könnte ja auch daran denken, die seit Jahren steuerlich entlasteten Wohlhabenden ein wenig mehr zur Deckung der Lücke im Sozial- und Gesundheitssystem heranzuziehen und Beamte, Professoren oder Politiker nicht so freigiebig zu versorgen. Aber da ist der Professor Raffelhüschen mit seinen vielen Nebenjobs natürlich weit entfernt. Man müsse in konjunkturell guten Jahren Haushaltsüberschüsse erzielen und im Sozialsystem sparen: "Das geht nur mit Leistungskürzungen." Womit wir wieder beim Auftraggeber wären, der Stiftung Marktwirtschaft.

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