Ein Buch, ist im Bett, ist im Regal

Neben der Spur

Egal wie viele eBooks Amazon bereits verkaufen mag. Der Graben zwischen gefühlter Papierkultur und Digitalkultur will sich nicht schliessen. Es liegt am Regal. Nicht am Bett.

Die Meldung ging neulich irgendwie unter: Amazon verkauft in seinen US Shops inzwischen mehr eBooks als gedruckte Bücher. Man kann also sagen, dass sich zumindest bei diesem Reseller die Seiten umgeblättert haben und mehr in Bytes als Gramm zählen.

Aber Buchkultur ist nach wie vor eine Papierkultur. Das kennt man von Zeitschriften und Zeitungen. Dort werden neben dem altbekannten Kalauer, dass man schliesslich einen Fisch nicht in einen Laptop einwickeln kann, inzwischen auch kaum noch Fragen zum allmählichen Papierschwund aufgebracht. Der Tipping Point für diese Medien ist erreicht. Gerne würde man wissen, warum wir den Kampf der Papiermühlen fechten, schliesslich ist auch ein elektronisches Buch ein Buch. Es ist ja die Abgeschlossenheit eines Inhalts, nicht sein Vervielfältigungsstoff. Aber Buchkultur wartet mit Verfechterargumenten auf wie Nur einem Papierbuch sieht man es an, dass es noch nicht zu Ende gelesen ist, und ein elektronisches Buch kann man nicht so schön für die Inneneinrichtung benutzen.

Ja, das ist es vielleicht. Bücher werden auch gelesen, das ist die private Seite des Mediums. Aber sie dienen zumindest in der Hardcoverausgabe auch dazu den anderen zu sagen Schaut mal her, ich kann auch Goethe. Da tut man sich mit einem Kindle immer ein wenig schwer. Zugegeben.

Aber das Geheimnis, warum sich eBooks jetzt vielleicht durchsetzen könnten, liegt neben der Tatsache, dass ein Regal voller iPads teurer als eines voller Bildbände ist, vielleicht darin: eine Studie kommt zu dem Schluss, dass digitale Bücher am liebsten im Bett gelesen werden. Tablets haben dagegen ihren Platz vor dem Fernseher erobert, ganz so, wie Apple mit seiner Fusswerbung das auch suggerierte. Immerhin 28% lesen laut Studie Inhalte auf dem Klo - via Smartphone.

Wir wissen, etwas blumig ausgedrückt, wer das Bett erobert, erobert die Herzen. Wer jetzt noch einen neuen Ersatzgegenstand für Regale auf den Markt bringt, verhilft dem eBook letztendlich zum Durchbruch.