Ein Schwarzer ist kein Indianer

Die Cherokee Nation entzieht schwarzen Mitbürgern per Verfassungsänderung die Stammesmitgliedschaft

Die nordamerikanischen indigenen Völker haben im Laufe ihrer jüngeren Geschichte viel unter Rassismus und Benachteiligung gelitten. Erst in den letzten Jahren erhielten die einzelnen Stämme wieder weitgehende Unabhängigkeit und Selbstverwaltung. Nun sorgt eine Verfassungsänderung der unabhängigen Cherokee Nation für Wirbel, die von vielen als rassistisch angesehen wird. Der Grund: Durch die Gesetzesänderung verlieren viele Cherokee afro-amerikanischer Herkunft ihre Stammesmitgliedschaft.

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Der Cherokee Nation Supreme Court, oberstes Gericht der unabhängigen Cherokee Nation in den USA, hat jetzt eine Verfassungsänderung aus dem Jahre 2007 als rechtmäßig bestätigt. Die Nachkommen schwarzer Sklaven, die sogenannten "Freedmen", werden nicht mehr als Mitglieder des Cherokee-Stammes angesehen. Seitdem kann nur noch der Stammesmitglied sein, der auch einen Cherokee in seiner Ahnenreihe vorweisen kann. Für viele Betroffene hat dies auch unmittelbare Auswirkungen, wie den Ausschluß aus der kostenlosen Gesundheitsversorgung und weiteren Bildungs- und Sozialleistungen der Cherokee Nation, die zu den wohlhabenderen Stämmen der nordamerikanischen Indianer gehört.

Offiziell gibt es 2.800 anerkannte Freedmen, weitere 3.500 haben die Stammes-Mitgliedschaft beantragt. Schätzungen zufolge, könnten jedoch bis zu 25.000 Personen betroffen sein. Marilyn Vann, ein Ingenieur und Vertreter der Freedmen, nannte das Urteil "Rassismus und Apartheid im 21. Jahrhundert." Die Verwaltung der Cherokee Nation sieht sich allerdings im Recht, die verfassungsrechtlichen Anforderungen für eine Mitgliedschaft im Stamm zu ändern.

Doch wie kamen Schwarze überhaupt in die Reihen des Cherokee-Volkes? Blicken wir zunächst rund 150 Jahre zurück. Ein Teil der Cherokee-Stämme, des heute zweitgrößten Stammeswesens Nordamerikas, beteiligte sich damals genauso an der Sklaverei, wie viele Weiße in den südlichen Bundesstaaten auch. Im Sezessionskrieg waren diese Alliierte des Südens. Wie bekannt, verloren die sklavenhaltenden Südstaaten den Bürgerkrieg und die Sklaverei wurde verboten.

Im Jahre 1866 wurde ein Vertrag zwischen den Vereinigten Staaten und den Vertretern der Cherokee abgeschlossen, der auch den freigelassenen, ehemaligen Sklaven der Cherokee volle Bürgerrechte sicherte. Dort heisst es:

"Sie stimmen ferner überein, dass alle Freigelassenen..., sowie alle freien farbigen Personen, die sich im Land (der Cherokee) zu Beginn der Rebellion aufhielten und die als Bewohner dort jetzt wohnen oder innerhalb von sechs Monaten zurückkehren und ihre Nachkommen, alle Rechte der einheimischen Cherokee besitzen."

Auf diesen Passus stützen sich die Vertreter der Freedmen. Doch das oberste Gericht verneinte in einer 10-seitigen Urteilsbegründung den Rechtsanspruch. Aus dem Vertrag von 1866 ließe sich lediglich herauslesen, dass die Freedmen zwar das Recht auf Gleichbehandlung nach dem damals geltenden Bundesrecht hätten, durch den Vertrag aber nicht die Staatsbürgerschaft der Cherokee Nation erhalten hätten. Jon Velie, Anwalt der Freedmen widersprach dem.

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