Ein an die Hunde verfütterter Diktatorenonkel und Archäologen, die eine Einhornhöhle entdecken

Nachrichten aus und über Nordkorea sind mit Vorsicht zu genießen

Derzeit macht im Focus und in anderen deutschen Medien die Meldung die Runde, dass der übergewichtige nordkoreanische "Dick-tator" (Bild) Kim Jong Un seinen unlängst hingerichteten Onkel (und Rivalen) Jang Song Thaek nicht erschießen, sondern von 120 Hunden zerreißen und fressen ließ. Die deutschen Medien berufen sich bei dieser Meldung auf die Straits Times, eine Zeitung aus Singapur, die sie wiederum im Hongkonger Blatt Wen Wei Po gelesen haben will.

Die britische BBC ist angesichts dieser Übertragungskette skeptisch, ob die Meldung über die (mit einer geringeren Anzahl Hunde) aus der britischen Krimiserie Prime Suspect bekannte Hinrichtungsmethode tatsächlich zutrifft - und in der dem Amazon-Gründer Jeff Bezos gehörenden Washington Post führt Max Fisher mehrere Gründe dafür auf, warum sie "wahrscheinlich" nicht wahr ist: Die Zeitung Wen Wei Po, die selbst keine Quelle für die Geschichte nennt, gilt in der örtlichen Medienlandschaft nämlich als ausgesprochenes Revolverblatt und weder chinesische noch südkoreanische Medien griffen die dort schon am 12. Dezember erschienene Geschichte auf.

Dass die bizarre Geschichte vielerorts für bare Münze genommen wird, liegt auch daran, dass die staatliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA in der Vergangenheit kräftig dazu beitrug, die Grenzen des Glaubhaften hinauszuschieben: Am 29. November 2012 berichtete sie beispielsweise, dass Archäologen des Geschichtswissenschaftlichen Instituts der Nordkoreanischen Akademie für Sozialwissenschaften anhand einer Inschrift eine Höhle identifizierten, in der sich Tongmyong, der Begründer des Königreichs Koguryo, ein Einhorn als Reittier hielt.

Anzeige