Einkommensungleichheit als größtes globales Risiko

Und die "chronischen Staatsverschuldungen" sind laut Welt-Risiko-Report die zweitgrößte globale Bedrohung

Alljährlich Ende Januar werden von schweizer Höhen aus Welthorizonte in den Blick genommen, die ganz großen Linien, wie dies der Austragungsort Davos nahelegt. Als Vorbereitungspapier des World Economic Forum, zu dem Staatschefs und Wirtschaftsgrößen, gemischt mit VIPs aus der globalen Öffentlichkeitssphäre (mit gewissen Vorbehaltengeladen sind, dient der Welt-Risiko-Report. Darin tun rund tausend Experten kund, welche Risiken die Welt bedrohen. Für 2013 stellt der Bericht in Aussicht, dass sich gewisse Risiken verschärft haben.

Vordringlich werden wirtschaftliche Risiken aufgeführt. An erster Stelle Folgen, die durch die "aufklaffende Einkommensungleichheit" entstehen; an zweiter Stelle das Problem der "chronischen Staatsverschuldungen". Als drittgrößtes Risiko fürchten die befragten Experten steigende Treibhausgasemissionen. Danach rangiert die in vielen Ländern kritisch gewordene Trinkwasserversorgung. An vierter Stelle wird das "falsche Management der alternden Bevölkerung" genannt.

Außer diesen Top 5-Risiken wird auf die Gefahr durch Pandemien hingewiesen, auf zunehmende Antibiotikarestistenz und "digitale Flächenbrände" der Art, wie sie im letzten Jahr ein Youtube-Trailer des Films "Unschuld der Muslime" ausgelöst hat. Mit skeptischen Augen werde zudem konstatiert, dass die "traditionelle Wächterfunktion der Medien" weiter erodiere, hebt die Faz hervor.

Das ist nicht neu - wichtige kritische Punkte werden WEF-Teilnehmern alljährlich von Demonstranten entgegengehalten - und in der pauschalen Präsentation harmlos. Neugierde weckt einzig, wie man dem Problem der klaffenden Einkommensunterschiede entgegnen will. Das Programm des Treffens steht unter der Vorgabe "Widerstandsfähige Wirtschaft".

Übrigens sind die Aussichten für ein jetzt geborenes Baby auf ein gutes Leben in der Schweiz weltweit am besten. Deutschland rangiert weiter hinten, auf Platz 16. 1988 hießen die Länder mit den größten Versprechen auf ein glückliches Lebenlautere einer Studie des Economist noch die USA, Frankreich und Deutschland, damals allesamt große Industrieländer. Jetzt stehen kleinere bzw. bislang unbedeutendere Länder (Australien, Norwegen, Schweden, Dänemark) oben in der "best for a baby born in 2013"-Rangliste, die drei früheren Spitzenreiter sind allesamt ins Mittelfeld abgerutscht. Wie sich die Zeiten und die Kriterien ändern. Ob das WEF auch neue Maßstäbe anlegt?

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