Eisschmelze in Grönland hat sich vervierfacht

In Oslo vorgestellter Klima-Bericht befürchtet einen Meeresspiegelanstieg bis zu 1,60 Meter in den nächsten 90 Jahren.

Noch vor einigen Jahren ging der UN-Klimarat (IPPC) bis zum Jahr 2090 von einem Anstieg des Meeresspiegels durch die Klimaerwärmung um 0,2 bis 0,6 Meter aus. Aktuelle Messergebnisse aus den letzten Jahren lassen jedoch einen weit höheren Wert befürchten. Die Experten des Klimarates hatten in ihren Prognosen den Beitrag des zunehmenden Abschmelzens der Eismassen in der Arktis deutlich unterschätzt. Zu diesem Ergebnis kommt ein aktueller Bericht des Arctic Monitoring and Assessment Programme ( AMAP), der dieser Tage in der norwegischen Hauptstadt Oslo vorgestellt wurde. Dort rechnet man mit einem Anstieg des Meeresspiegels bis zum Jahr 2100 in Höhe von 0,9 Meter bis 1,6 Meter.

Laut den Ergebnissen hat sich der Trend der Eisschmelze in den letzten Jahren deutlich beschleunigt. Bis zum Ende des 20. Jahrhunderts betrug der jährliche Anstieg des Meeresspiegels 1,8 mm. Schmelzendes Eis der Polarregionen war daran zu 30% beteiligt. Zwischen 2003 und 2008 stieg der Meeresspiegel allerdings schon um 3,1 mm und die Eisbeteiligung auf 75-80%.

Einen hohen Anteil daran hat abschmelzendes grönländisches Inlandeis. Die Menge vervierfachte sich in den letzten Jahren von 50 Milliarden Tonnen auf 200 Milliarden Tonnen pro Jahr. Das grönländische Inlandeis bedeckt 80% von Grönland, auf einer Fläche von 1,71 Millionen Quadratkilometern und hat damit eine Ausdehnung in der die Bundesrepublik Deutschland fast fünfmal Platz fände. Bei einem vollständigen Abschmelzen würde der Meeresspiegel voraussichtlich um 7 Meter ansteigen.

"Das Nordpolarmeer wird nach unserer Einschätzung noch in diesem Jahrhundert und möglicherweise schon in den nächsten 30-40 Jahren während des Sommers völlig vom Eis befreit sein", so der Bericht der AMAP. Und das hat gravierende Folgen. Abschmelzendes Meereis vergrößert im Gegensatz zum Grönlandeis zwar nicht die Wassermenge, aufgrund der fehlenden Reflektion der Sonneneinstrahlung durch die bedeckende Eisschicht erwärmt sich aber das Wasser und sein Volumen steigt. In der Folge steigt der Meeresspiegel an.

Ein Anstieg um deutlich mehr als einen Meter, wie prognostiziert, würde die Lebensgrundlagen von Millionen Menschen bedrohen. Während Staaten wie die Niederlande durch verstärkte Küstenschutzmaßnahmen etwaige Folgen für ihr Staatsgebiet noch verhindern könnten, wenn auch die Kosten dafür enorm wären, dürfte es für ärmere und wenig entwickelte Staaten wie Bangladesh völlig unmöglich sein, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Weltweit leben im gefährdeten Bereich etwa 150 Millionen Menschen.

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