El Niño: Gefahren für die Welternährung

An den Agrarbörsen wird auf Ernteausfälle wegen drohender Dürren in Australien und Indien spekuliert

Im tropischen Pazifik sieht es ganz so aus, als ob sich dort ein neues El-Niño-Ereignis zusammenbraut. Die US-Behörde für Ozeane und Atmosphäre NOAA schätzt die Eintrittswahrscheinlichkeit für dieses Jahr inzwischen auf 65 Prozent ein.

Die globale Temperatur ist in EL-Nño-Jahren meist besonders hoch. (La Niña ist sein kaltes Gegenstück.) Bild: NOAA

El Niño wird ein Wetterphänomen genannt, das die Verhältnisse in der Region auf dem Kopf stellt, aber auch weit darüber hinaus Auswirkungen hat. So sind El-Niño-Jahre im globalen Mittel meist überdurchschnittlich warm. Das in diesem Sinne herausragende Jahr 1998 sah zum Beispiel den stärksten bis dahin beobachteten El Niño.

Im nordhemisphärischen Sommer führt El Niño zu ausgedehnter Trockenheit über weiten Teilen Australiens und Indiens sowie in der südlichen Karibik. Indonesien, die Philippinen und viele pazifische Inseln sind ganzjährig von Trockenheit bedroht, der Nordwesten Brasiliens vor allem im Winter. Ebenfalls im Winter ist an den Küsten Ecuadors und Perus mit schweren Regenfällen zu rechnen, teilweise in sonst extrem trockenen Regionen. Zugleich leidet dort die Fischerei, weil kein kaltes, nährstoffreiches Tiefenwasser mehr aufquillt, so dass die Fische zu wenig Nahrung haben. Auch mit weit verbreiteter Schädigung von Korallenriffen ist zu rechnen, was längerfristige Auswirkungen af Torurismus und lokale Fischerei haben wird.

Bild: Weltbank

Entsprechend setzen an den Agrarbörsen die ersten Händler bereits auf steigende Preise, wie Wallstreet online berichtet. Offensichtlich wird mit größeren Ernteausfällen gerechnet. Australien gehört immerhin zu einer der Kornkammern des Globus und Ernteausfälle in den bevölkerungsreichen Staaten Indonesien und Indien würden die Nachfrage auf dem Weltmarkt zusätzlich erhöhen.

Bild: FAO

Für die Armen dieser Welt, und damit sind in diesem Fall durchaus auch hiesige ALG-II-Empfänger gemeint, sind das ziemlich schlechte Nachrichten. Denn die Preise für Grundnahrungsmittel bewegen sich ohnehin bereits auf sehr hohem Niveau, wie die Grafiken Weltbank und der UN-Agrarorganisation FAO zeigen. Im Verlaufe des Preisanstiegs 2008 hatte sich die Zahl der Hungernden auf über eine Milliarde Menschen erhöht.

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