Elektroauto: Industrie noch nicht auf der Höhe der Zeit angekommen

Bild: Chrischerf/CC BY-SA-3.0

Die Umwälzung in der Automobilindustrie wird die Wertschöpfungsketten massiv verändern

Die Europäische Klimastiftung (European Climate Foundation) hat eine Studie zur Einführung von Elektroautos in Deutschland vorgelegt, die beim Leser einiges Stirnrunzeln erzeugen dürfte. Unter dem Titel "Low Carbon Mobility in Germany" geht es tatsächlich allein um Pkw. Offenbar hat man einen recht beschränkten Begriff von Mobilität, der einen erheblichen Teil der Gesellschaft ausschließt.

Unerwähnt bleibt hingegen sowohl der Güterverkehr wie auch der öffentliche Personen Nah- und Fernverkehr, der schon heute, wegen der größeren Effizienz und wegen der Elektrifizierung des größeren Teils des Schienenverkehrs bei den Emissionen besser als die Straße abschneidet und am raschesten zur "Low Carbon Mobility" beitragen könnte.

Sieht man sich die lange Liste der Studien-Unterstützer aus der Automobilindustrie an, die an prominenter Stelle in der Kurzfassung aufgelistet ist, so verwundert dies nicht weiter. Mit erheblichen Befremden muss der Leser dort auch gleich einleitend zur Kenntnis nehmen, dass "(die) deutsche Automobilindustrie (..) im Bereich Technologieinnovationen weltweit führend (ist) und (...) auch in Zukunft eine bedeutende Rolle bei der Bekämpfung des Klimawandels und der städtischen Luftverschmutzung einnehmen (wird)". Schon erstaunlich, dass sich die Klimastiftung für derlei Formulierungen hergibt.

So ist denn jedenfalls der ganze Text wohl eher als Konzeptidee zu verstehen, mit der die deutschen Autohersteller versuchen, sich ihre Zukunft auszumalen. "Änderungen der Anzahl von Autos, die sich aus möglichen Veränderungen der Mobilitätsmuster ergeben könnten", sind in dieser nicht vorgesehen, und die Übergänge fallen unrealistisch fließend aus.

2030, so hofft man offensichtlich in den Konzernetagen, werden erst zehn Prozent der Pkw auf deutschen Straßen Elektroautos, 20 Prozent Hybride und weitere sieben Prozent mit einer Brennstoffzelle angetrieben sein. Mit anderen Worten: Das Papier erweckt nicht den Anschein, als wären die Diesel-Mogler zwischenzeitlich auf der Höhe der Zeit angekommen.

Ein interessantes Detail am Rande: Nach den in der Studie gemachten Angaben über bereits existierende Produktionslinien von sogenannten Plug-In-Hybriden, wird sich die Wertschöpfung zu einem nicht unwesentlichen Teil auf die Batterien konzentrieren.

Die bisher in der Automobilindustrie wichtigen Gewerke treten dagegen ins Hintertreffen, Getriebe werden zum Beispiel künftig, wenn reine Elektrofahrzeuge dominieren, gar nicht mehr gebraucht werden. Plug-In-Hybride sind Pkw, die sowohl mit fossilem Brennstoff als auch mit gespeicherter elektrischer Energie gefahren und deren Batterien am Netz aufgeladen werden können.

Dass in der Industrie also erhebliche Verschiebungen anstehen, scheint sich langsam herumzusprechen. Am Mittwoch dieser Woche trafen sich in Brüssel Vertreter der EU-Mitgliedsländer auf Einladung von EU-Kommissars für die Energieunion, Maros Sefcovic, zu einem "High Level Meeting on Battery development and production in Europe", wie der Fachinformationsdienst IWR berichtet.

Sefcovic habe betont, dass Europa seine industrielles Position aufs Spiel setze, wenn es keine eigene Fertigung aufbaue. Auch der deutsche Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Machnig habe eine ähnliche Position vertreten. Der EU-Kommissar geht im übrigen davon aus, dass 2025 bereits 25 Prozent aller verkauften Fahrzeuge einen Elektroantrieb haben werden.

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