Elektroautos: Tesla überflügelt deutsche Hersteller

Tesla Model 6. Bild: KarleHorn/CC BY-SA-3.0

Bei den Luxusautos liegen die Kalifornier vorne, die Diesel-Front beginnt zu bröckeln

Während hierzulande eine breite Koalition aus Industrie und Politik krampfhaft und gegen alle Vernunft am Dieselmotor festhält – nur Porsche tanzt offenbar aus der Reihe –, ist es eigentlich langsam Zeit für die deutschen Autohersteller, kalte Füße zu bekommen. Umsätze und Profite mögen sich zwar gerade noch in neue Höhen geschwungen haben, doch die altgedienten Konzerne drohen ausgerechnet in ihrem profitabelsten Segment ins Hintertreffen zu geraten.

Wie das Magazin Automotive News Europe schreibt, hat Tesla im vergangene Jahr in Europa erstmals mehr Luxuslimousinen als BMW, Audi oder Daimler verkauft. In den USA lägen die Kalifornier bereits seit längerem vorne.

Mit 16.132 verkauften Wagen vom Typ Model S seien die Verkäufe um 30 Prozent gestiegen. Die Mercedes S-Klasse habe sich dagegen nur 13.359mal verkauft, vom BMW 7 seien 11.735 Exemplare abgesetzt worden. Letzteres ein Rückgang um 13 Prozent. Auch bei den Premium-SUVs läge Tesla bereits vor BMW und gleichauf mit Porsche.

Das Manager-Magazin schreibt von einem "äußerst schmerzhafte(n) Vorstoß in den Heimatmarkt der deutschen Premium-Autobauer". Automotive News Europe zitiert einen professionellen Marktbeobachter, der von Alarmzeichen für die etablierten Hersteller spricht. Es zeige sich, dass sie auch auf dem Heimatmarkt von kleineren aber gewitzteren ("smaller but smarter") geschlagen werden können.

Bei Daimler hat man den Fehdehandschuh aufgenommen. Nächste Woche sollen nach einem Bericht der Welt zehn erste Exemplare eines neuen Elektro-Lkw an Testkunden übergeben werden. 2021 sollen deren Serienmäßige Auslieferung beginnen, so die bisherige Planung.

So richtig rund scheint es aber bei Tesla aber noch lange nicht zu laufen. Aus dem US-Bundestaat New Jersey kommen Vorwürfe eines ehemaligen Mitarbeiters, wonach das Unternehmen vor Verkauf umfangreiche Reparaturen an Wagen vorgenommen habe, ohne die Kunden darüber zu informieren.

Die Fahrzeuge seien nur als gebraucht klassifiziert worden. Tesla bestreitet die Anschuldigungen, über die demnächst ein Gericht zu befinden haben wird.

Außerdem gibt es Probleme mit der Produktion des neuen Model 3 und Geld scheint der Konzern bisher auch nicht so richtig zu machen.

Unterdessen kündigt mit dem Staubsaugerhersteller Dyson ein weitere Branchenfremder den Einstieg in den Bau von Elektroautos an. In China sind es gar Dutzende neuer Unternehmen,die auf den noch kleinen, aber rasant wachsenden Markt drängen. Der bekannteste und am besten Etablierte unter den Neuen ist der Konzern BYD, der als Hersteller von Batterien begonnen hatte.

Dieses Aufkommen neuer Konkurrenten ist ein deutliches Zeichen dafür, dass der Technologiewechsel in der Kraftfahrzeugindustrie auch das System der dominanten Auto- und Ölkonzerne durcheinander wirbeln wird. In der bisherigen Geschichte der Industrialisierung sind vergleichbare Wandel in der Technologie – zum Beispiel von Eisenbahn zum Auto – stets mit dem Niedergang der bisherigen dominanten Kapitalgruppen und dem Aufkommen neuer Akteure verbunden gewesen.

Wie dem auch sei, Dyson plant nach einem Bericht des Handelsblatts die Produktion von zunächst drei Modellen. Eine Milliarde Pfund seien in die Entwicklung der Fahrzeuge und eine weitere in die von Batterien gesteckt worden. Die Arbeiten wurden offenbar bereits 2015 begonnen.

Das Unternehmen setze langfristig auf eine eigene Feststoff-Batterietechnik, mit der mehr Energie als mit den sonst üblichen Lithium-Ionen-Akkus gespeichert werden könne. Zunächst sollen Letztere aber noch zum Einsatz kommen.

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