Endlich – die Bundesagentur für Arbeit fördert und fordert präventiv

Außer Kontrolle

Es wird oft und gerne auf die Bundesagentur für Arbeit geschimpft, doch zur Weihnachtszeit wird bekannt, dass sie zum Fördern und Fordern zurückfindet. Ein adventliches Loblieb.

"Fördern und Fordern" war das Motto, mit dem das Arbeitsamt zur Arbeitsagentur wurde, vom bürokratischen Monster zum modernen Dienstleister, der deprimierte Arbeitssuchende zum fröhlichen Kunden mutierte. Seit der Agenda 2010, die dem Land Deutschland nicht nur fitte Arbeitssuchende, sondern auch neue Arbeitsmöglichkeiten und insofern endlich auch Sozialpolitik für die Ärmsten mit sich brachte, sind nicht nur Topmanager zufrieden mit der Entwicklung. Nein, vielmehr herrscht eine Grundzufriedenheit vor da immer mehr Menschen "in Arbeit" kommen und auch diejenigen, die nicht sofort in den ersten Arbeitsmarkt integriert werden können. mit wertvollen Zusatzqualifikationen ausgestattet werden. In pädagogisch wertvollen Kursen lernen die sich oft nutzlos fühlenden Arbeitssuchenden Grundtugenden wie Geduld http://www.taz.de/!37506/] (indem sie oder Reinlichkeit und statten sich so auch mit erforderlichen Softskills aus. Leider werden die Potentiale dieser Kurse, die zudem noch ein üppiges Taschengeld (oft in Höhe von mehr als einem Euro) für die Teilnehmer mit sich bringen, nicht erkannt, ebenso wenig wie z.B. auch der Aspekt, dass selbst kurzfristig unbezahlte Praktika erfüllend sein können und die Chancen steigern.

Doch trotz all dieser Widrigkeiten bleibt die Bundesagentur, die nicht nur dank eines innovativen neuen Logos zeigt, wie sehr sie sich gewandelt hat, dem "Fördern und Fordern"-Motto treuer denn je. So hat sie in einem neuen Präventivprojekt überlegt, vielen von Arbeitslosigkeit bedrohten Menschen durch einen fair bezahlten Arbeitsplatz einen Verbleib im ersten Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Das Projekt zielt ab auf Menschen, bei denen anzunehmen ist, dass sie durch die Veränderungen im Arbeits- und Arbeitssuchemarkt demnächst ihrer bisherigen Tätigkeit nicht mehr nachkommen können und daher befürchten müssen, wegrationalisiert zu werden. Hier griff die BA durch und machte sich die Mühe, ein gutdurchdachtes Konzept auszuarbeiten, das die betroffenen Mitarbeiter in die Lage versetzt, demnächst als Mitarbeiter bei einem strategischen Partner für Unternehmen zu arbeiten, ohne dass auch nur eine kurze Zeit der Arbeitslosigkeit sie in Depressionen versetzt. Die BA zeigt hier, wie wichtig Prävention ist. Die versierten Mitarbeiter eines bisher oft eher geschmähten Dienstleisters sollen mit den Unternehmen ins Gespräch kommen, bei der Behebung des Fachkräftemangels helfen und auch in Bezug auf die Vermittlung von Fachkräften aus dem Ausland helfen. Die BA, die sich selbst um die schwer vermittelbaren Menschen, die nicht vom Fachkräftemangel profitieren können, kümmern will, will allen anderen zeitgleich mit "digitalen Angeboten" unter die Arme greifen. Bei der Anzahl der Arbeitssuchenden ist so manche Maßnahme nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, doch erfreulich ist, dass die BA hier nicht erst nachträglich tätig wird, sondern schon jetzt erkannt hat, dass bestimmte Berufsgruppen in Zukunft von Arbeitslosigkeit bedroht sein können und daher endlich "Fördern und Fordern" so einsetzt, wie gedacht: Schon vorab die Zeichen der Zeit erkennen, Schlüsselqualifikationen ebenso erkennen wie die Möglichkeiten der Neubeschäftigung oder Weiterbeschäftigung und nicht zuletzt für entsprechende Arbeitsmöglichkeiten sorgen, noch dazu diesmal, das ist besonders wichtig, zu einem fairen Gehalt. Die Rede ist also nicht von 1-Euro-Jobs oder dergleichen, wenn es um die Zukunft der BA-Mitarbeiter geht.

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