Energieeffizienz auf der Kippe

Die Auswirkungen der gegenwärtigen Energiepolitik sind schon als Verschlechterung der gesamtwirtschaftliche Energieeffizienz ablesbar

Die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen, ein Zusammenschluss verschiedener Verbände der Energiewirtschaft sowie mehrerer Forschungsinstitute, hat die aktuellen Daten zur Energieeffizienz in Deutschland veröffentlicht. Ergebnis: Trotz spezifischer Einsparungen in mehreren Bereichen hat das Ausbremsen der Energieeffizienzverbesserungen der Vorjahre bereits begonnen.

Die Zeitreihen der AGEB zeigen den Verlauf seit 1990. Seitdem hatte sich die gesamtwirtschaftliche Energieeffizienz insgesamt um fast ein Drittel verbessert (als Effizienz bezeichnet die AGEB das Verhältnis von Wertschöpfung zu Energieverbrauch). Im Jahresdurchschnitt der zurückliegenden 23 Jahre liegt der Effizienzzuwachs bei rund 1,8 Prozent pro Jahr. In den neuen Zahlen des Jahres 2012 zeigt sich nun ein gemischtes Bild und insgesamt ein beginnender Abwärtstrend. Der Effizienzuwachs lag 2012 nur noch bei 1,4 Prozent pro Jahr und zehrt im wesentlichen noch von Weichenstellungen aus den Vorjahren:

  • Bei der Stromerzeugung sorgten der Ausbau der Erneuerbaren und neue Verbrennungskraftwerke mit besseren Wirkungsgraden für eine Effizienzsteigerung von 1,5 Prozent gegenüber 2011. Im derzeitigen Kraftwerksmix wird damit die 2,3fache Menge Primärenergie bei der Stromerzeugung eingesetzt: 8,3 MJ für die Produktion von 1 kWh Strom.

  • Die privaten Haushalte senkten ihren Energieverbrauch je Quadratmeter Wohnfläche im Jahr 2012 um 2,9 Prozent, gleichzeitig stieg der Stromverbrauch um 0,7 Prozent.

  • Im Sektor Gewerbe-Handel-Dienstleistungen verschlechterte sich die Energieeffizienz bezogen auf die Bruttowertschöpfung 2012 um 2,5 Prozent.

  • In der Industrie ist bereits ein vermehrter Rückgriff auf elektrische Energie (als Folge der Privilegierungen?) sichtbar, der spezifische Stromverbrauch erhöhte sich verglichen mit dem Vorjahr um 3,7 Prozent, die Gesamteffizienz der industriellen Produktionsprozesse verbesserte sich nur noch um 0,3 Prozent.

  • Im Verkehrsbereich gab es 2012 nur noch einen geringen Effizienzzuwachs von +0,6 Prozent, im langjährigen Jahresdurchschnitt hatten die Effizienzverbesserungen bisher bei 2,9 Prozent gelegen.

Insgesamt ist zu beobachten, dass die Effizienzverbesserungen 2012 geringer geworden sind als in den Vorjahren. Nachdem in den 1990er und frühen 2000er Jahren viel auf Innovation und Modernisierung gesetzt wurde, lag die Effizienz, bezogen auf das reale Bruttoinlandsprodukt, im letzten Jahr schon wieder 18 Prozent unter dem Mittelwert der AGEB-Zeitreihe. Zwar liegen die Zielankündigungen der Bundesregierung offiziell immer noch bei einer Verbesserung der Energieproduktivität von 2,1 Prozent pro Jahr (2012 waren es nur noch 1,4 Prozent). Dann dürften aber mögliche Effizienzverbesserungen in Gebäuden, der Fahrzeugflotte und der Modernisierung der Energieversorgung nicht weiter torpediert werden.

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