Energiepflanzen sollen Böden entgiften

Anstatt immer neue Flächen für den Anbau von Energiepflanzen zu roden oder auf fruchtbaren Böden Nahrungspflanzen Konkurrenz zu machen könnten vergiftete Industriebrachen als Anbaufläche genutzt werden.

Uranbergbau Abraumhalten Wismut. Bild uni-weimar.de

Anstatt immer neue Flächen für den Anbau von Energiepflanzen zu roden oder auf fruchtbaren Böden Nahrungspflanzen Konkurrenz zu machen könnten vergiftete Industriebrachen als Anbaufläche genutzt werden. In einem Projekt der Uni Jena wird untersucht, in welchem Maße Energiepflanzen Schwermetalle aus kontaminierten Böden aufnehmen und verhindern, dass die Gifte ins Grundwasser gelangen. Auf einem Versuchsfeld im Bereich des früheren Uranbergbaus bei Gera sollen Modelle entwickelt werden, die sich auf Bergbaufolgelandschaften weltweit übertragen lassen.

Auf einem Testfeld bauen die Geowissenschaftler der Uni Sonnenblumen an und impfen den Boden zusätzlich Streptomyceten, das sind Bodenbakterien, die mit den Schwermetallbelastungen klarkommen und den Schwermetallstress der Pflanzen vermindern - diese gedeihen so besser. Beim Verbrennen der Energiepflanzen bleiben die Schwermetalle in der Asche zurück.

Die Mechanismen, die zur Bodenkontamination führen, verlaufen im Prinzip immer gleich. Gesteine werden durch den Bergbau an die Oberfläche befördert und oxidieren dort. Die im Erz enthaltenen Schwefelverbindungen, die Sulfide, werden frei und oxidieren zu Sulfaten, die sich dabei bildende Säure löst die im Boden enthaltenen Schwermetalle und vergiftet so die Umgebung. Wegen des hohen mobilen Schwermetallgehalts sind die Böden auf lange Zeit verseucht. Natürliche Regenerationsprozesse würden mehrere hundert Jahre dauern. Energiepflanzen, darunter Raps, Klee, Sonnenblumen und Mais, sollen die Böden nun in deutlich kürzerer Zeit dekontaminieren.

Der weltweite Bedarf für solch ein Verfahren ist sehr groß, weil der Bedarf an Metallen immer noch zunimmt und so immer neue Metallbergbau-Folgelandschaften entstehen. Im vergangenen Jahr sind weltweit 38 Milliarden US-Dollar in die Erschließung und Erweiterung von Bergwerken und Tagebauen geflossen. Darunter riesige Anlagen wie die Kupfermine in Chuquicamata in der Atacamawüste im Norden Chiles, die sich über eine Fläche von 13.000 Quadratkilometer erstreckt.

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