Energiestandard deutscher Altbauten

Auch nach 35 Jahren Energiespargesetzen ist Dämmung ein Randphänomen geblieben

Das Passivhaus* gilt bereits als neuer energetischer Standard. Doch die gebaute Realität sieht ganz anders aus. Vor allem bei bestehenden Gebäuden tut sich wenig, wenn man die Daten der Allianz für Gebäude-Energie-Effizienz (geea) anschaut. Auch 35 Jahre nach dem ersten Energieeinsparungsgesetz für Gebäude und seinen diversen Verschärfungen bis hin zur heutigen Energieeinsparverordnung wird anscheinend nur ein Bruchteil der älteren Gebäude nachgerüstet.

Rund 70 Prozent der Gebäude, die vor 1979 gebaut wurden, haben danach überhaupt keine Dämmung, bei 20 Prozent sei sie unzureichend. Nur rund 10 Prozent der Altbauten in Deutschland haben eine Dämmung, die aktuellen Anforderungen genügt. Dabei machen diese älteren Gebäude das Gros unserer Städte aus, von den 18 Mio. Gebäuden in Deutschland sind fast 13 Mio. vor 1979 gebaut worden. Von Energieeffizienz ist auch bei den Heizungsanlagen wenig zu sehen.

Laut geea sind von den 18 Mio. Heizungsanlagen im Bestand rund 70 Prozent veraltete Gas- und Ölkessel, die nicht dem Stand der Technik entsprechen. In der Summe gehen drei Viertel der Energie, die für Raumwärme und Warmwasser im Gebäudebestand verbraucht wird, auf das Konto unsanierter Altbauten. Dazu kommt, dass nach Schätzungen der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena) die hocheffizienten energetischen Gebäudesanierungen 2011 in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um die Hälfte zurückgegangen sind.

Die Politik setzte ihre energetischen Schwerpunkte statt dessen eher auf Abwrackprämie oder Kernenergie. Für die Zeit davor zieht die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) aber eine sehr positive Bilanz der bis dahin geltenden Sanierungsprogramme. Das Institut Wohnen und Umwelt (IWU) und das Bremer Energieinstitut (BEI) erstellten eine Bilanz für das Jahr 2010. In diesem Jahr hätten die durch die KfW geförderten Baumaßnahmen an Neubauten und Sanierungen zu einer Reduzierung des CO2-Ausstoßes um rund 1 Mio. Tonnen geführt. Außerdem seien mit den im Jahr 2010 geförderten Maßnahmen Heizkosten in Höhe von rund 6,4 Milliarden Euro eingespart worden.

* weniger als 15 kWh/m² Heizenergieverbrauch pro Jahr

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