Entgleistes Tippen und die Reue nach dem Rausch

Der DrunkBlocker soll vor peinlicher Smartphone-Kommunikation schützen

Kommunikation benötigt ein gewisses Maß an Konzentration. Mit ihrem Material an falsch adressierten und ungelöschten SMS-Mitteilungen könnten Scheidungsanwälte ein Sittengemälde in zeitgemäßer Lakonie zeichnen. "Aus Schaden wird man klug", begründet der baden-württembergische Grüne Werner Wölfle seinen Entschluss, Privates künftig nicht mehr schriftlich per SMS weiterzugeben. Der Politiker, welcher laut einem Bericht der Welt sein Handy "noch nicht unter Kontrolle hatte", schickte eine "Frust-SMS", in der er sich über die Inkompetenz eines Parteikollegen beschwerte, versehentlich an einen Redakteur der Stuttgarter Zeitung.

Und nicht jeder hat das Talent und die Möglichkeit, SMS-Texte, die spätnachts und betrunken in größter Freiheit und kühn formuliert abgeschickt werden, literarisch zu veredeln wie Thomas Glavinic in seinem Roman Das bin doch ich. Der ganz normale Trunkenheitstriumph über kleinliche alltägliche Zensoren, die einer beflügelten SMS im Weg stehen, endet nachher oft in prosaischen Reue-Kater-Gruften. Ohne Aussichten auf einen Literaturpreis oder Bestsellerhonorare oder eine begeisterte Leserschaft. Das wissen beispielsweise Besucher des alljährlichen Rauschrituals Oktoberfest sehr gut. Solange sie noch nicht im Bierzelt sitzen. Später, wenn sie mit schnell tippenden Fingern und einem großen Grinsen im Gesicht schaukelnd auf der schmalen Bank sitzen, würde man es ihnen gerne sagen. Mittlerweile hat die Technik einen Ausweg gefunden.