Entscheidung über "europäische Drohne" soll im Dezember fallen

Der nächste EU-Gipfel soll den gordischen Knoten zur Frage zerhacken, welche europäischen Konzerne von den EU-Mitgliedstaaten mit einem gemeinsamen Drohnen-Projekt beauftragt werden

Der im Dezember tagende EU-Gipfel soll sich nach einer Forderung des Vorsitzenden des EU-Militärkomitees mit der Entscheidung über eine "europäische Drohne" befassen. Dies meldet die Wiener Zeitung unter Berufung auf eine Aussage des Generals Patrick de Rousiers in Brüssel. Die Entscheidung stünde unter der Ägide einer neuen EU-Verteidigungspolitik: Der hohe Militär verweist auf die USA, die über einen großen Vorsprung bei der Aufrüstung ihrer unbemannten Luftwaffe verfügten.

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Es geht jedoch vor allem um die Frage, ob sich mehrere europäische Rüstungskonzerne auf die gemeinsame Entwicklung einer Drohne der "MALE"-Klasse ("Medium Altitude Long Endurance") einigen können. Das Projekt scheiterte immer wieder an einer fehlenden Zusage von Regierungen der EU-Mitgliedstaaten, nach Ende der Entwicklungsphase entsprechende Drohnen zu kaufen. Die Konzerne bemängelten in der Vergangenheit, ohne eine Abnahmegarantie keine Gelder in Forschungen stecken zu können.

Allerdings herrscht reges Treiben unter den in Frage kommenden Firmen. Grob gesagt konkurrieren zwei Vorhaben miteinander: Zum einen organisieren sich die Rüstungskonzerne BAE Systems (Großbritannien) und Dassault (Frankreich) zur Forschung und Entwicklung der Drohne "Telemos".

Ein anderes Konsortium gerät dadurch ins Hintertreffen: Der EADS-Konzern versucht seit Jahren, eine europäische Drohne unter dem Namen "Talarion" einzufädeln. Hierzu hatte EADS bereits eine Kooperation mit der französischen Firma Alenia angebahnt. EADS ist selbst an Standorten in Frankreich, Spanien und Deutschland präsent. Für die "Talarion" hatte das Firmennetzwerk beispielsweise die türkische Firma Turkish Aerospace Industries ins Boot geholt. Nachdem EADS zwischenzeitlich geschmollt hatte und ein Ende des Vorhabens androhte, wird das Projekt "Talarion" nun als "Future European MALE" weiterverfolgt. Diese "FEMALE" wäre um etwa ein Drittel größer als sein ebenfalls noch nicht gebauter Vorgänger.

De Rousiers erklärte in Brüssel, dass die EU auch eine Entscheidung über die Nutzung der MALE-Drohnen zur Überwachung von Grenzen treffen soll. "In Zukunft werden wir Drohnen fast überall haben", zitiert die Wiener Zeitung. Seitens der EU-Staaten gebe es demnach die Bereitschaft, hierzu "Gruppen von Drohnen-Anwendern" festzulegen.

Den möglichen Einsatz der "Talarion" zur Grenzüberwachung hatte auch EADS bei der Unterzeichnung einer Zusammenarbeitserklärung in der Türkei explizit beworben. Jetzt geht die Türkei aber weitere eigene Schritte - zumindest wenn man dem Informationsdienst DTJ glauben möchte. Dieser berichtet heute, der türkische Geheimdienst Millî İstihbarat Teşkilâtı (MIT) würde eigene Aufklärungsdrohnen entwickeln wollen. Die Regierung stelle hierfür 220 Millionen Dollar zur Verfügung, "um durch moderne Technik seine Gegner effektiver bekämpfen zu können".

Jedoch soll es nicht um Kampfdrohnen gehen. Die Schnüffler möchten Spionagedrohnen beschaffen, die Rede ist von "Drohnen, die für den türkischen Geheimdienst Ton- und Videoaufnahmen aufzeichnen sollen". Dadurch sollten Defizite wie bei der Aufklärung der Anschläge von Reyhanlı vermieden werden.

Man hat dabei nichts Geringeres als die hoch fliegende US-Drohne "Global Hawk" im Auge, der die türkische Drohne nachempfunden sein soll. Der noch zu entwickelnde Flugroboter soll dann eine halbe Tonne befördern können. Ob der Bericht glaubhaft ist? Wohl kaum, denn die Regierung sei "auf der Suche nach einem geeigneten Ingenieur der Luft- und Raumfahrttechnik, der das Projekt leiten soll". Nun hätten die Entwickler "einige US-Firmen bezüglich des Projektes kontaktiert".

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