"Er hat 11 Millionen Griechen vergewaltigt"

Griechenland: Freude über die Festnahme Dominique Strauss Kahns und der Kater danach

Es ist Montagmorgen nach der Verhaftung des IWF-Chefs. Der Euro gibt nach, der griechische Aktienindex stürzt dramatisch.

Kann es sein, dass die Eurorettung von einer Person abhing? Ja, wenn man die Reaktionen auf die Verhaftung DSKs in Griechenland betrachtet. Ein Großteil der Bevölkerung jubelt. Die Menschen freuen sich, dass der zum Buhmann stilisierte Banker vor den Kadi gezerrt wird. "Er hat 11 Millionen Griechen vergewaltigt, aber ein Zimmermädchen war stark genug ihn anzuzeigen", solche Kommentare hört man im Bekanntenkreis, aber man liest sie auch in der Zeitung.

Ist Strauss Kahns Verhaftung das Ergebnis einer Intrige? Das ist den Griechen vollkommen egal, denn sie fühlen sich selbst als Intrigenopfer. Von Deutschland unbeachtet, hatte sich seit Monaten eine Geschichte bestätigt.

Demnach hat DSK zusammen mit Papandreou den Gang Griechenlands zum IWF bereits vor den Parlamentswahlen im Herbst 2009 vorbereitet. In der Tat gab der Franzose dies in einem Interview sogar frank und frei zu. Das von Canal+ ausgestrahlte Gespräch war zwar im französischen Fernsehen um die entsprechenden Phrasen gekürzt worden, der griechische Sender Alpha, eine RTL Tochter, strahlte es jedoch mitten in der erfolgreichsten Satiresendung des Landes aus.

Bei Lakis Lazopoulos Rekordeinschaltquotenshow, die im Schnitt 60 Prozent Einschaltquote hat, hörten die Griechen, dass Georgios Papandreou mit "mon ami Dominique" die IWF Programmformalitäten bereits seit Mitte 2009 aushandelte.

Zum einen bestätigt sich, dass der smarte Euroretter zwecks Wahlsiegs zu Lügen über die aktuelle Wirtschaftslage griff. Zum anderen erscheint aber Papandreous panisches und planloses Handeln nach dem Wahlsieg nun unter einem anderen Licht. Mit Worten wie "Griechenland ist wie die Titanic", "Wir sind am Rande des Ruins" hatte der Premier noch vor dem IWF-Gang und vor Bekanntwerden der Greek Statistics, die Märkte selbst misstrauisch gemacht.

Dazu kamen seltsame Finanzmarkentscheidungen, wie die Erlaubnis kosten- und risikoloser Leerverkäufe. Dies alles löste nach Expertenansicht die Hatz der Spekulanten auf die Griechenpleite erst richtig aus (siehe Wer zahlt für politische Eigentore?).

Papandreou hat, so sind sich die Griechen sicher, seinem Freund Dominique den Weg des IWF in die Eurozone eröffnet. Nach Volksmeinung gilt weder für DSK noch für den Griechenpremier die Unschuldsvermutung.

Ziemlich bitter für Papandreou ist auch, dass die Liste seiner "guten, persönlichen Freunde" nun eine weitere zumindest zwielichtige Person enthält. Ben Ali, Ghaddafi, Mubarak und nun Strauss Kahn. Die Griechen selbst sind nach zunächst schadenfreudiger Feierstimmung nun in Katerlaune.

Denn auch der ehemalige türkische Finanzminister Kemal Devis ist nun als IWF-Chef im Gespräch. Griechenland in der Hand des Erzfeindes Türkei? Das wäre den stolzen Hellenen wahrscheinlich zu viel. Sie sind jetzt schon ob der IWF-Sparmaßnahmen bockig. Die Gesellschaft lebt bereits in einem Gewaltchaos. Ein türkischer Finanzchef aber würde das Fass endgültig überlaufen lassen.

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