"Erich Honecker in der Spätphase"

Während Franz Müntefering in der "Welt am Sonntag" ein stärkeres politisches Engagement von Bürgern fordert, blasen Blogger unter dem Motto "Ihr werdet euch noch wünschen wir wären politikverdrossen" zur Überwachung der SPD

In der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung Welt am Sonntag fordert der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering, dass Bürger sich mehr in der Politik engagieren sollten. Im Netz wirkte diese Äußerung allerdings etwas realitätsfern und erinnerte einen Kommentator sogar an "Erich Honecker in der Spätphase". Grund dafür ist, dass die Blogosphäre seit der Netzsperren-Zustimmung Pläne schmiedet, die SPD auf ein Rekordtief zu bringen – unter anderem durch genaues Beobachten der Wahlkampfaussagen und Abklopfen auf Widersprüche und Ungereimtheiten. Ein Motto dafür lieferte Max Winde: "Ihr werdet euch noch wünschen wir wären politikverdrossen".

Zu den Profiteuren der Anti-SPD-Kampagne könnten nicht nur die vier anderen etablierten Parteien zählen, sondern auch die Piratenpartei, die mit dem Schweden Christian Engström zukünftig im Europaparlament und nach dem Parteiwechsel von Jörg Tauss auch im Deutschen Bundestag vertreten ist.

Dieses Bundestagsmandat öffnete der Piratenpartei unter anderem den Weg in das "Internet-Politbarometer" Wahlgetwitter. Nach der Aufnahme dort erhielten die Piraten innerhalb kurzer Zeit 1114 positiv und bloße 38 negativ markierte Tweets. Zum Vergleich: Die SPD bekam in der letzten Woche 151 mit positiver, aber 1.605 mit negativer Rautenbewertung.

Auch in anderen Medien können die Piraten nun weniger leicht ignoriert werden: So will etwa das vom Holzbrinck-Konzern kontrollierte Social Network StudiVZ, das vor der Europawahl noch das Profil der Piratenpartei löschte, die Nutzer über die Aufnahme der Gruppierung in die "Wahlzentrale" entscheiden lassen – allerdings in Form einer Abstimmung, bei der Kritiker fehlende Transparenz bemängeln.