Erneut Leitzinssenkungen, um die Wirtschaft in Europa anzukurbeln.

Nachdem London den Leitzins auf 0,5 % gesenkt hat, setzte auch die EZB den Zinssatz auf ein neues Rekordtief herunter.

Die Europäische Zentralbank hat die Leitzinsen auf einen neuen historischen Tiefstand gesenkt. Allseits war erwartet worden, dass heute der Zinssatz erneut um 0,5 % auf 1,5 % gesenkt wird. So kam es auch und damit ist Leitzins im Euroraum auf dem niedrigsten Niveau seit der Euro-Einführung im Jahr 1999. Seit Oktober 2008 hat die EZB den Leitzins nun insgesamt um 2,75 % gesenkt, um damit günstiges Geld zur Ankurbelung der Wirtschaft bereitzustellen. Doch das billige Geld kommt nicht bei Verbrauchern und Unternehmen an, weshalb die EU-Kommission erst kürzlich vor der sich zuspitzenden Kreditklemme warnte. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet sagte zur Zinsentscheidung, er erwarte, dass sich erst im nächsten Jahr die Wirtschaft im Euro-Raum leicht erhole.

Soweit wie die britische Zentralbank geht man in Frankfurt allerdings noch nicht. Die Bank of England (BoE) tritt in die Stapfen der US-Notenbank (FED) und nähert sich deutlich dem Zinssatz Null an. Die BoE senkte ebenfalls heute den Leitzins auf 0,5 % ab. Damit wurde der Zinssatz in einem Jahr um fast 5 % nach unten gedrückt. Doch der erhoffte Erfolg, die wirtschaftliche Erholung, ist ausgeblieben. Das Pfund ist weiter unter Druck und selbst ein Staatsbankrott schließen Experten nicht aus.

Obwohl auch die FED und die japanische Notenbank ihre Leitzinsen schon im Dezember praktisch auf Null gesenkt hatten, änderte das nichts am dramatischen Absturz der beiden großen Volkswirtschaften, aber die Deflationsgefahr wurde weiter verstärkt. Das Bruttosozialprodukt in den USA schrumpfte im vierten Quartal 2008 um 6,2 Prozent und in Japan sogar um 12,7 Prozent. In den USA wird erwartet, dass sich die schlimmste Talfahrt seit Jahrzehnten weiter beschleunigt.