Erneut dunkle Wolken über Zypern …

…und schlechte Neuigkeiten für Europas Sparer

Bankgeschäfte müssen nicht kompliziert sein, wirbt die Bank of Cyprus (BOC) in England um neue Kunden. Die Komplikationen um das noch in der britischen Kolonialzeit gegründete Geldhaus drohen jedoch erneut das Euro-Gefüge zu erschüttern. Im März schluckte die Bank im Rahmen des Bail In zur Bankenrettung ihren bisher größten Konkurrenten, die Laiki Bank.

Mit der Übernahme gingen auch die Verpflichtungen aus dem Europäischen Bankenrettungsfonds auf die BOC über. Zu zwei Milliarden Euro eigenen Verpflichtungen kamen neun Milliarden Schulden der Laiki. Knapp vier (3,8) davon stammen aus dem an die griechische Piräus Bank faktisch umsonst, für den Gegenwert der von der Laiki an die Piräus gewährten Liquiditätskredite, überlassenen griechischen Filialnetz der Laiki. 3,8 Milliarden Euro versucht Zypern vom griechischen früheren Laiki-Besitzer Andreas Vgenopoulos und seinen Kompagnons einzutreiben. Der gerichtliche Vorwurf lautet auf betrügerische Misswirtschaft und Unterschlagung.

4,5 Milliarden Euro, so klagt Präsident Nikos Anastasiadis, hätten die zyprischen Banken für den griechischen Schuldenschnitt aufbringen müssen. Anastasiadis bemängelt, dass es keine europäische Gegenleistung dafür gab. Der Präsident übersah, dass 1,8 Milliarden der 4,5 Milliarden Euro allein dadurch Zypern zur Last fielen, weil die damalige zyprische Bankenaufsicht die Übernahme von Vgenopoulos griechischem Mafin Egnatia Bankenimperium durch die zyprische Laiki genehmigte.

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Vergrößern Meist fotografierter ATM in Zypern. Foto: W. Aswestopoulos

Hausgemacht sind auch die übrigen Probleme der BOC, die 2008 nach dem Zusammenbruch der Lehman Brothers Millionen in den Kauf der zusammenbrechenden russischen Uniastrum Bank steckte. "Nur" 58 Millionen Euro setzten die Direktoren der BOC in den Sand, als sie in Unkenntnis der lokalen Gesetze zehn Prozent der rumänischen Banca Transsilvana kauften.

Anastasiadis, der ob dieser Verwicklungen um die Existenz des einheimischen Bankensektors fürchtet, wandte sich schriftlich an die Eurogruppe und erhielt eine deftige Abfuhr. Die Zyprioten sollten ihre Hausaufgaben erledigen und das Memorandum zur Eurorettung einhalten.

Viel können die Insulaner nicht tun. Einen Tropfen auf den heißen Stein, 165 Millionen Euro möchte die BOC ad hoc mit einer dreißigprozentigen Kürzung der Gehälter einsparen. Mit 2500 Entlassungen bis zum Jahresende möchte der vorläufige Bankchef Sofoklis Michaelides die Ausgaben weiter beschränken. Allein mit diesen Maßnahmen ist das Geldhaus, das die Hälfte der auf der Insel verbliebenen Spargelder, 55,9 Milliarden, betreut kaum zu retten. Die zahlreichen Skandale und die Furcht der Bankkunden vor einem erneuten Bail In lähmen die gesamte Wirtschaft in Zypern, so dass die allseits verkündete Vorhersage des zweiten Zusammenbruchs zur sich selbst erfüllenden Prophezeiung werden dürfte.

Am Donnerstag erhielt Zypern die zweite Milliarde der ersten drei Milliarden Euro Tranche aus dem Europäischen Rettungsschirm. Insgesamt neun Milliarden sollen es innerhalb von drei Jahren werden. Am gleichen Tag wurde beschlossen, dass der im Fall von Zypern als Ausnahme propagierte Bail In, also die Beteiligung der Sparer an der Bankenrettung, nun zur Regel werden soll (http://www.neurope.eu/article/ecofin-debates-bail-ins-banking-union).

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