Erste Spuren und Spekulationen zum Angriff auf "Maximum City". Update

Verdächtigt werden muslimische Militante aus dem eigenen Land, die das Feindbild der "Hinduisten-Kreuzfahrer-Zionisten" im Visier haben sollen, sowie größere Gruppierungen, denen Verbindungen zum Nachbarland Pakistan und zu al-Qaida nachgesagt werden

Indische Behörden gehen von zehn bis zwölf Terroristen aus, die allein in den Anschlag auf das Taj Mahal Hotel verwickelt sind. Fünf der Terroristen wurden getötet, heißt es in einer aktuellen Meldung, einer wurde festgenommen. Bislang ist noch unklar, wer die Fäden für die groß angelegte Terroroperation gezogen hat, die heute die Aufmerksamkeit der ganzen Welt beschäftigt.

Indische Kommentatoren bezeichnen die Operation als "Quantensprung", was Terroranschläge in Indien angehe. Zwar werden Vergleiche mit früheren Anschlägen gezogen, ob sich daraus Hinweise für die gestrigen Anschläge ergeben, ist allerdings noch Spekulation. Deutlich wird, dass die historische Erfahrung des Landes mit einer großen Anzahl von Anschlägen und entsprechende Sicherheitsvorkehrungen nichts verhindern konnte. Auch in diesem Fall wird beklagt, dass die indischen Sicherheitskräfte wie paralysiert wirken.

Orte, an denen Angriffe stattgefunden haben (Bild: Google Maps)

Verblüfft zeigt man sich auch darüber, dass es den Angreifern offensichtlich wenig Mühe machte, die Stadt vom Meer aus zu überfallen. In vier Schnellbooten sollen die Angreifer Marineeinheiten auf Übung zum Verwechseln ähnlich gewesen sein, so ein Kommentator der indischen Zeitschrift Outlook India, der sogar vor der Gefahr von Nachahmungstätern warnt.

Der Schock sitzt tief. Noch verstärkt möglicherweise dadurch, weil es die Angreifer auf das Viertel am Marine Drive abgesehen haben . Das Coloba-Viertel gilt als Vorzeigeviertel der Vorzeigestadt Mumbai, der "Maximum-City". Mumbai repräsentiert wie keine zweite Stadt Indiens, Dynamik und Fortschritt des Landes und vor allem Geld, es ist die Finanzhauptstadt Indiens

Laut Aussagen, die die indische Presseagentur PTI von führenden Regierungsvertretern des Bundesstaates Maharashtra zitiert, haben einige der festgenommenen Angreifer, die mit den Schnellbooten kamen, die pakistanische Nationalität. Man habe Spuren, wolle sie aber noch nicht preisgeben, so Vizepremier und Innenminister von Maharashtra, R R Patil.

Nach Aussagen eines Festgenommenen mit pakistanischer Nationalität, die von rediff.com übermittelt werden, wurde der Mann von Lashkar-e-Toiba ausgebildet, eine Gruppe, die 1989 vom pakistanischen Geheimdienst gegründet worden sein soll.

Laut Informationen, die das Magazin nach eigenen Angaben aus Regierungskreisen in Neu Delhi erhalten hat, sollen amerikanische Quellen schon in der dritten Septemberwoche davor gewarnt haben, dass Lashkar-e-Toiba eine größere Aktion in Indien geplant habe:

"Again, some six days later, the information was circulated from New Delhi to Mumbai police that hotels in Mumbai will be targeted by the Lashkar. The police source claims that the name of Taj Mahal Hotel was specifically mentioned. Accordingly, the hotel's security had been increased but in two months time that have fallen into a routine, it seems."

Andere gehen dagegen von einer eher willkürlichen Eskalation aus: Dass die Angriffe von einer Gruppe ausgeführt wurden, die mit einigem Glück gegenüber der "Anti Terror Squad" agierte und ziemlich wahllos "von Punkt zu Punkt" weiterstürmte, bis die Angreifer in den Hotels feststeckten. Der Angriff eskalierte dieser Auffassung nach unbeabsichtigt.

Ganz anders Spekulationen, die in Richtung der islamistischen Lashkar-e-Toiba, mit bemerkenswerten Querverbindungen, weisen. Sie gehen von einer Aktion aus, hinter der große Planung und eine weitläufige Organisation stecken. So soll das E-Mail, in dem sich die bislang unbekannte Gruppe "Deccan Mujahedin" als verantwortlich bekannte, Spuren zu erkennen geben, die sogar bis nach Russland weisen. Geheimdienste verweisen angeblich darauf, dass das Mail aller Wahrscheinlichkeit nach von einem Mitglied der Lashkar-e-Toiba geschickt worden sei und dass die Terroristen für die Operation möglicherweise auf Hilfe der Unterwelt in Mumbai und tschetschenischen Elementen innerhalb der russischen Mafia zurückgegriffen haben, die in Indien Fuß gefasst habe.

Zudem wird natürlich der Bogen zu Al-Qaida gespannt. Zum einen sei Indien auf dem Radar von Al-Qaida gewesen. Britische Soldaten hätten im Jahr 2006 Pläne auf einem Notebook entdeckt, wonach al-Qaida genaue "Aufklärungsarbeit" über Ziele in Goa betrieben habe und die internationale Gemeinschaft in Indien im Visier der Terroristen waren. Zum anderen gebe es Belege für enge Beziehungen zwischen al-Qaida und Lashkar-e-Toiba:

"In the past, the group had strong links to Osama Bin Laden, and its members trained in Al-Qaida camps in Afghanistan. Abu Zubaydah, considered one of the most senior Al-Qaida officials being held at the Guantanamo Bay detention camp, was captured in March 2002 in a joint operation by United States and Pakistani intelligence forces at a Lashkar a-Tayeb safe house."

Laut Informationen des Guardian ist die "Deccan Mujahedin" eine lose Gruppe, die sich aus verschiedenen Bewegungungen indischer Muslime zusammensetzt. Die Rede ist von vielen "jungen und gut ausgebildeten Muslimen", die ihr angehören. Die Anschläge auf Mumbai würden zwar Einflüsse zeigen - von al-Qaida, aber auch von anderen Terror-Gruppen und deren Anschläge "von Indonesien bis Marokko". Das müsse aber nicht unbedingt bedeuten, dass "Deccan Mujahedin" ein "Strohmann" für eine größere Gruppierung sein muss.

Die Gruppe habe die Stadt schon vor zwei Monaten vor Anschlägen gewarnt und für eine Reihe von Anschlägen in den letzten Wochen die Verantwortung übernommen. Ihre Texte sollen sich auf die frühe islamische Geschichte beziehen und auf bekannte gegenwärtige Protagonisten des Dschihad, des "global Islamist militant discourse". Befürchtet wird eine Erweiterung des Feindbildes von der "Allianz der Kreuzzügler und Zionisten" zur "Allianz der "Hinduisten-Kreuzzügler-Zionisten".

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