Erste vollständig künstlich hergestellte Luftröhre erfolgreich verpflanzt

Schwedische Mediziner und britische Wissenschaftler haben damit einen Durchbruch in der regenerativen Medizin geschafft

Schwedische Mediziner am Karolinska University Hospital in Huddinge, Stockholm, haben erstmals ein künstlich im Labor hergestelltes Organ in einen Menschen eingepflanzt. Paolo Macchiarini und sein Team transplantierten am 9. Juni eine aus Stammzellen des 36-jährigen Patienten aufgebaute künstliche Luftröhre. Die komplizierete, 12 Stunden dauernde Operation sei erfolgreich gewesen, berichtete die Klinik gestern, der Patient habe sich vollständig erholt und werde heute entlassen.

Der Mann hatte einen seltenen Luftröhrenkrebs (Tracheakarzinom) im Endstadium. Trotz Strahlenbehandlung wuchs der Krebs weiter, blockierte die Luftröhre fast gänzlich und begann sich bereits in den Bronchien auszubreiten. Die Operation sei die letzte Möglichkeit gewesen, den Patienten zu retten. Da es keine geeignete Luftröhre eines Organspenders gegeben habe, musste erstmals das künstliche erzeugte Organ verwendet werden. Dazu wurden dem Patienten Stammzellen aus dem Knochenmark entnommen. In einem Bioreaktor von Harvard Bioscience wurden die Stammzellen auf einem von Wissenschaftlern des University College London (UCL) gebildeten Polymer-Nanokomposit-Gerüst der Röhre mit der Gabel in die beiden Lungenhälften angesiedelt, wo sie zwei Tage lang vor der Operation wuchsen. Zur Herstellung des Gerüsts hatten die Wissenschaftler dreidimensionale CT-Scans der Luftröhre als Vorbild. Da die Luftröhre mit den eigenen Stammzellen hergestellt wurde, kam es zu keiner Abstoßung des Transplantats und musste der Patient auch keine Immunsuppressiva einnehmen.

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Die von Stammzellen besiededelte Luftröhre kurz vor der Transplantation. Bild: UCL

Die Klinik feiert die gelungene Operation als Durchbruch, der "neue und viel versprechende therapeutische Möglichkeiten für Tausende Patienten eröffnen kann, die an Luftröhrenkrebs oder anderen Schäden leiden, die den Atemweg zerstören, blockieren oder einschränken". Patienten seien damit nicht mehr als Spenderorgane angewiesen, dass sei besonders im Fall von Kindern wichtig, weil es hier kaum Ersatzorgane gibt. Die britischen Wissenschaftler sehen gleichfalls einen Durchbruch für die regenerative Medizin, weil erstmals ein ganzes künstliches Organ mit einem neuartigen - und natürlich patentierten - Polymer-Gerüst erfolgreich transplantiert wurde und sie hoffen, auf diese Weise auch andere künstliche Organe herstellen zu können.

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