Erstmals seit 40 Jahren ist die Zahl der Gefängnisinsassen in den USA leicht gesunken

Betrachtet man allerdings alle Gefangenen, so ist 2009 die Zahl geringfügig weiter auf insgesamt fast 1,7 Millionen Menschen hinter Gittern gestiegen.

Jahr für Jahr ist die Zahl der Menschen in den US-Gefängnissen stetig angestiegen. In keinem Staat der Welt ist die Gefängnispopulation größer als im "land of the free". 750 von 100.000 US-Amerikanern leben im Gefängnis, in Russland sind es "nur" 628, in Deutschland beispielsweise 93. 2008 wurde nach dem letzten Bericht des Pew Center of the States der Erfolg eingestellt, als 1 Prozent der erwachsenen US-Amerikaner dem "american dream" nur hinter Gittern verfolgen konnten.

Nach dem neuesten Bericht des Pew Center of the States ist 2009 erstmals seit fast 40 Jahren die Zahl der Gefängnisinsassen in den USA nicht weiter angestiegen, sondern sogar leicht zurückgegangen. Ende 2009 saßen 1.403.091 Menschen in staatlichen Gefängnissen, 5.739 oder 0,4 Prozent weniger als 2008. So konnte zumindest der seit 1972, als es erst 174.000 Gefängnisinsassen gab, unaufhörlich nach oben gehende Trend erstmals gebremst werden, die Frage ist nur, für wie lange.

Der Bericht führt die Veränderung vor allem darauf zurück, dass die Bundesstaaten in der Finanz- und Wirtschaftskrise sparen müssen und daher weniger Menschen zu Gefängnisstrafen verurteilt oder Gefangene schneller entlassen werden. In den letzten 20 Jahren gehörten die Kosten für den Strafvollzug zu den am schnellsten wachsenden Staatskosten. Jeder 15. Dollar, der in den Bundesstaaten ausgegeben wurde, ging in den Strafvollzug. Dazu kommen Programme, mit denen die Bewährungsauflagen verstärkt oder Resozialisierung gefördert werden sollen.

Besonders deutlich ist dies in Kalifornien, wo Zehntausende Gefangene entlassen werden sollen, um staatliche Gelder zu sparen und gleichzeitig einem Gerichtsurteil nachzukommen, das verlangt die massive Überbelegung der Gefängnisse zu reduzieren. 2009 gab es in Kalifornien 4.357 Gefangene weniger als in 2008. Allerdings sind die Gefangenenzahlen nur in 27 Bundesstaaten gesunken, während sie in 23 und in den Bundesgefängnissen weiter angestiegen sind.

Allerdings trifft die Aussage, dass die Gefängnisinsassen zurückgegangen sind, nur dann zu, wenn nicht alle berücksichtigt werden, wie der Bericht auch zeigt. Die Gesamtzahl der Gefangenen ist sogar um weitere 1.099 gestiegen, wenn man die dem Federal Bureau of Prisons unterstehenden Gefängnisinsassen einbezieht, die nun mit 208.118 auf einem Allzeithoch stehen, 6.338 oder 3,4 Prozent mehr als 2008, 51,6 Prozent übrigens für Drogenvergehen. Rechnet man diese Gefangenen und noch die 700.000 hinzu, die in kommunalen Gefängnissen sitzen, dazu, dann steigt die Gesamtzahl der Gefängnisinsassen auf fast 1,7 Millionen Menschen an. Insgesamt leben fast 309 Millionen Menschen in den USA.

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