Euro-Ausstieg einmal anders

Münchner Volkswirtschaftler sieht Euro-Rettungspakete als "Konkursverschleppung" und schlägt stattdessen den Austritt Deutschlands aus der Euro-Zone vor

Griechenland droht trotz aller bisherigen Maßnahmen weiterhin der Bankrott. Die von der Regierung Papandreous beschlossenen Sparmaßnahmen und Haushaltskonsolidierungen reichen nicht aus. Streiks und Krawalle lähmen das Land. Investitionen aus dem Ausland wären hilfreich, doch nach der Abstufung des Landes durch die Rating-Agenturen verspüren ausländische Investoren wenig Lust in Griechenland zu investieren. Um den drohenden Staatsbankrott abzuwenden, braucht Griechenland zusätzliches Geld.

Weitere 60 Milliarden sollen angeblich notwendig sein. Das Land ist zu einem enormen Belastungsfaktor für die Stabilität des Euro geworden. "Das entwickelt sich hier zu einem Fass ohne Boden", sagte der ehemalige BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel zu den Rettungspaketen. Finanzexperte Max Otte wiederum möchte die Südländer der Eurozone gerne ganz loswerden. Auch in Griechenland gibt es Stimmen für einen Euro-Ausstieg. Doch eine schwache Neu-Drachme könnte dem Land wenig helfen, da die Mehrzahl der Schulden in Euro-Währung bestehen. Wie es weitergehen soll, weis zur Zeit niemand.

Nach Ansicht des Studienleiters und Volkswirtschaftlers an der Hochschule für Oekonomie & Management in München ( FOM), Prof. Dr. Gerald Mann gibt es jedoch einen gangbaren Weg aus der Krise.

Sein unkonventioneller Vorschlag: Deutschland und andere wirtschaftlich starke EU-Staaten wie die Niederlande und Finnland sollten aus der Euro-Zone austreten und eine eigene Währung einführen. In der Folge würde der Alt-Euro abgewertet. Da ein Großteil der Verbindlichkeiten in Euro besteht, hätte dies positive Auswirkungen. "Die schwächeren Euroländer erhalten so die Abwertung und die währungspolitische Flexibilität, die sie zur Rückgewinnung ihrer Wettbewerbsfähigkeit benötigen. Urlaub in Griechenland und Portugal wird wieder preiswert und zwar ohne nominale Lohnkürzung", erklärte Mann die von ihm erwarteten Vorteile eines solchen Vorgehens. "Diese neue Währung, nennen wir sie 'Europäische Mark' würde gegenüber dem Euro aufwerten."

Prof. Dr. Mann sieht in den aktuellen Rettungspaketen keine Lösung sondern eher "Konkursverschleppung" und mahnt: "Irgendwann muss sich die wirtschaftspolitische Vernunft gegen die europapolitisch korrekte Realitätsverweigerung durchsetzen."

Da auch fast 10 Jahre nach Abschaffung der D-Mark noch 41% der Deutschen für die Wiederkehr der früheren Währung plädieren und 2/3 sich Sorgen um die Stabilität der Euro-Währung machen, könnte ein solcher Vorschlag bei der Bevölkerung durchaus Freunde finden. Rechtlich unproblematisch ist er nicht, aber das ist bei den Rettungspakete eigentlich auch der Fall.

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