Europäische Atomaufsicht empfiehlt Prüfung aller deutschen Reaktordruckbehälter

Letztes Jahr waren in Belgien an zwei Reaktoren zahlreiche Risse entdeckt worden, sie sind offenbar nicht auf einen Hersteller, sondern auf ein allgemeines Produktionsverfahren zurückzuführen

Die europäische Atomaufsichtsbehörde (WNRA) hat aufgrund von beobachteten Mängeln empfohlen, dass die Reaktordruckbehälter aller 131 AKWs in der EU überprüft werden müssen. Die Mängel sind offensichtlich nicht auf einen Hersteller zurückzuführen, sondern können grundsätzlich im Produktionsverfahren entstehen. Für den Reaktordruckbehälter gelten besondere hohe Sicherheitskriterien, es ist schließlich der gefährlichste Teil eines Reaktors, in dem sich die Brennstäbe befinden.

Der Anlass waren Schäden in zwei Reaktordruckbehälter in den belgischen Atomkraftwerken Doel und Tihange. Durch eine Ultraschallprüfiung waren zunächst im Reaktor Doel3 vergangenen Sommer Tausende von Rissen am Druckbehälter festgestellt worden, daraufhin auch im Reaktor Tihange2. Die belgische Atomaufsichtsbehörde hatte daraufhin die beiden Reaktoren abschalten lassen. Vermutet wurde zunächst, dass die Schäden bei den von einer niederländischen Firma hergestellten Druckbehältern liegt, die Firma gibt es aber nicht mehr. In einigen Ländern, u.a. in Deutschland, Frankreich und Spanien, befinden sich auch Druckreaktorbehälter, die von dieser Firma stammen.

Nach ausführlichen Untersuchungen der Herstellungsschäden an den beiden belgischen Reaktordruckbehälter sei man zu dem Entschluss gelangt, so WENRA, dass es wichtig und notwendig ist, "angemessene Untersuchungen in jedem europäischen Kraftwerke" durchzuführen. Der belgischen Atomaufsichtsbehörde dankte WENRA-Chef Hans Wanner für die Offenheit und Kooperation während der Untersuchungen. Zwar hätten Atomaufsichtsbehörden in einigen Ländern schon beschlossen, die Druckbehälter nach Herstellungsfehlern zu überprüfen, das müsse aber nach einer standardisierten Methode geschehen, verlangt WENRA. "Wir können also nicht ausschließen, dass auch Reaktordruckbehälter, die in anderen Fabriken produziert worden sind, Fehler haben könnten", so begründete Wanner die Empfehlung.

Die europäische Atomaufsichtsbehörde empfiehlt als ersten Schritt eine umfassende Durchsicht aller Herstellungs- und Prüfungsdaten. Wenn die nationale Atomaufsichtsbehörde es dann für notwendig hält, soll eine "repräsentative Prüfung der Reaktordruckbehälter mit nicht-destruktiven Testmethoden" erfolgen. Das soll im Rahmen von vorgesehenen Inspektionen erfolgen. Bindend ist die Überprüfung aber nicht, die nationalen Atomaufsichtsbehörden entscheiden letztlich über die Notwendigkeit, die Methode und den Umfang einer Prüfung. Die belgische Atomaufsichtsbehörde hat so genehmigt, dass die beiden Reaktoren trotz der Risse wieder ans Netz dürfen.

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