Ex-NSA-Mann: Leaks kamen von der NSA

William Binney zu den Spannungen zwischen Weißem Haus und den Geheimdiensten

Der vormalige technische Direktor der NSA, William Binney, hat sich in den letzten Tagen mehrfach zur US-Geheimdienstpolitik geäußert. Binney hatte die NSA 2001 wegen deren nachhaltigen Verletzung der Bürgerrechte nach 37 Berufsjahren verlassen und hält Massenüberwachung als Instrument der Terrorismusbekämpfung für untauglich. Die NSA bezeichnet er als die "neue Stasi", den ehemaligen Vizepräsidenten Dick Cheney als "Darth Cheney".

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Anläßlich eines Vortrags bei der Wiener Bürgerrechtsorganisation epicenter.works kommentierte Binney gegenüber dem Magazin Futurezone die Spannungen zwischen der Geheimdienstwelt und Trump. Binney geht davon aus, dass die Leaks von Trumps Gesprächen mit ausländischen Präsidenten von der NSA stammen. Es sei Standardpraxis, Gespräche des Präsidenten zu verschlüsseln, jedoch habe die NSA die Schlüssel. Die NSA sowie die CIA seien auch daran beteiligt, dass den Russen jetzt alles Mögliche in die Schuhe geschoben werden solle. So seien die Angriffe auf den E-Mail-Server der Demokratischen Partei kein Hack gewesen, da auf die Daten lokal zugegriffen worden sein müsse. Es seien in wenigen Sekunden mehrere Gigabyte an Daten heruntergeladen worden, was ist nur lokal möglich sei.

Die bereits vor Monaten geäußerte Expertise des hochrangigen Ex-NSA-Mannes kann schwerlich als Seemannsgarn abgetan werden. Letzte Woche hielt Binney einen Vortrag auf dem Hackercamp SHA2017 in den Niederlanden, wo er die Methoden der NSA erläuterte. Binney lebt inzwischen in Rotterdam, wo er mit seinem Ex-NSA-Kollegen Kirk Wiebe eine Sicherheitsfirma gegründet hat. Wiebe referierte ebenfalls auf dem Hackercamp über die lange Geschichte der Korruption im US-Sicherheitsapparat.

Binney kennt Überwachung auch aus umgekehrter Perspektive: So leert sich der Akku seines Mobiltelefons ungewöhnlich schnell, weil die NSA dieses offenbar heimlich zur akutischen Raumüberwachung einsetzt.

Ironischerweise konnte Binney aus seiner Überwachung einmal einen Vorteil ziehen: Als einst das FBI gegen Binney ermittelte, konnte er sich gegenüber dem FBI nicht verteidigen, weil die Verhörsbeamten nicht über die erforderliche Clearance verfügten. Der Mathematiker löste das Problem, in dem er über die geheimen Inhalte mit einem entsprechend berechtigten Kollegen telefonierte. Wie Binney vorausgesehen hatte, wurde das Gespräch abgehört. Damit waren die Informationen aktenkundig, ohne dass Binney seine Geheimhaltungspflichten verletzt hatte.


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