ExxonMobile: Anwalt für neue Klimapolitik?

Der Chef des Ölgiganten, bislang eher als Skeptiker des Klimawandels bekannt, plädiert für die Erhebung einer Umweltsteuer

Rex Tillerson, Chef des Ölgiganten ExxonMobile, hat sich bei einer Rede in Washington für die Einführung einer Steuer auf CO2-Emissionen ausgesprochen, um, so zitiert ihn das Wall Street Journal, "damit gegen die globale Erwärmung vorzugehen".

Damit ist Tillerson kein kleiner Überrschaungscoup geglückt, da Exxon, wie etwa der Independent heute dazu bemerkt, jahrelang eher für den Kampf gegen "die These" von der Klimaerwärmung bekannt war. Ein Kampf, bei dem Exxon Millionensummen in Lobbygruppen investierte, die den anthropogenen Klimawandel schlichtweg leugnen oder bezweifeln.

Ob man Tillerson wegen seiner Bemerkung, wonach Steuern "ein direkterer, transparenterer und effizienterer Ansatz sind", um den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren, nun im selben Club begrüßen soll wie Al Gore, Ralph Nader oder Larry Summers, darf beweifelt werden. Skeptiker halten der Euphorie über diesen U-Turn in Exxon-Chefetage nämlich entgegen, dass hier durchaus eine Taktik zu erkennen sei, die politisch ganz der alten Linie treu bleibt. Tillerson, so das Argument, wisse, dass eine Carbon-Tax kaum Chancen hat, im Kongress durchzukommen. Er setze auf diese Pferd, um andere Vorschläge, die das Unternehmen mit weiter reichenden Veränderungen konfrontieren würde, herunterzuspielen: genannt wird in diesem Zusammenhang der Emissionshandel.

So hält es Greenpeace-Forschungsdirektor Kert Davies eher für wahrscheinlich, dass der Exxoncef ein Täuschungsmanöver aufbaue, um damit die mögliche größere Wende zu alternativen Energien zu unterlaufen:

"Die CO2-Steuer ist eine politische Giftpille. Kein Politikerin den Vereinigten Staaten würde irgendetwas vorschlagen, worin das Wort 'Steuer' vorkommt. Dass Exxon sich dafür ausspricht, läßt es intellektuell aussehen, aber das könnte auch bedeuten, dass man die vorherrschende internationale Diskussion verschieben und damit aus dem bisherigen Gleis bringen will."

Der Independent macht in diesem Sinne auf eine Äußerung Tillersons aufmerksam, die deutlich macht, was er von weitergehenden klimapolitischen Plänen der neuen US-Regierung hält: "let's not kid ourselves".

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