FDP im ZDF-Politbarometer nur noch bei 3 und 6 Prozent

78 Prozent der Deutschen erwarten in den nächsten Monaten durch den Euro-Bailout bedingte Steuererhöhungen

Anfang der 1980er Jahre rechneten einige Beobachter des politischen Geschehens in Deutschland damit, dass die FDP in einem "Akt der politischen Hygiene" aus den Reihen der im Parlament vertretenen Parteien verschwinden könnte. Das traf nicht ein – stattdessen kletterte die damals um die sechs Prozent liegende Partei bei der letzten Bundestagswahl auf 14,6 Prozent. Dass so ein Anteil heute allerdings potenziell weniger wert ist, als vor einigen Jahrzehnten, dass zeigt nicht nur das Wahlergebnis in Nordrhein-Westfalen, sondern auch das aktuelle ZDF-Politbarometer:

Dort liegt die FDP in der politischen Stimmung nämlich nur mehr bei drei Prozent. Berücksichtigt man die berühmten "längerfristigen Überzeugungen und Bindungen" et cetera, dann käme die Partei nach Ansicht der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen bei einer Bundestags-Neuwahl zwar noch auf sechs Prozent, hätte aber gegenüber der letzten Umfrage zwei Prozent eingebüßt und – wie auch in anderen Umfragen – zusammen mit der Union keine Regierungsmehrheit. Die verlor nämlich innerhalb eines Monats drei beziehungsweise zwei Prozent und liegt aktuell bei nur mehr 38 Prozent in der politischen Stimmung und 36 Prozent in der Prognose.

Dass sich die Gewinne in der politischen Stimmung gleichmäßig mit jeweils zwei Prozentpunkten auf SPD (29), Grüne (15) und Linke verteilen, deutet darauf hin, dass sich die Verluste der Koalition vor allem in Form von Nichtwählern niederschlagen könnten. In der Wahlprojektion legen die drei etablierten Oppositionsparteien um jeweils einen Prozentpunkt zu und liegen nun bei 27 (SPD), 14 (Grüne) und 11 (Linke) Prozent. Ebenfalls einen Anstieg um einen Prozentpunkt gibt es bei außerparlamentarischen Oppositionsparteien wie den Piraten.

Die Werte stehen offenbar in einem Zusammenhang mit anderen interessanten Ergebnissen, die das Meinungsforschungsinstitut in der Zeit vom 18. bis zum 20. Mai 2010 durch Telefonanrufe bei 1260 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten ermittelte. Danach erwarten stolze 78 Prozent der Deutschen, dass die FDP in Folge des Euro-Bailouts ihr zentrales Wahlversprechen bricht und in den nächsten Monaten Steuererhöhungen zulässt. Dabei könnte sich eine deutliche Mehrheit der Bürger durchaus Alternativen dazu vorstellen: 82 Prozent sind für Einsparungen im Verteidigungshaushalt. In allen anderen Ressorts werden Kürzungen dagegen klar abgelehnt.

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