FIFA will Streams in Echtzeit ausknipsen - und zwar selbst

Fußballrechteverwerter noch unverschämter als Urheberrechtsindustrie

Die FIFA ist mit der Jagd auf Kriminalität in den eigenen Reihen offenbar noch immer nicht ausgelastet. Wie Torrentfreak berichtet, versuchen die Fußballmächtigen, unkontrolliert entfleuchende Bits einzuhegen, die sich zu bewegten Lichtbildern mit Fußballcontent in Echtzeit zusammenfügen lassen ("Streaming"). So erhielten Anbieter von Streamingwebsites ein Schreiben der FIFA, sie möchten doch bitte ein Auge auf mögliche Rechtsverstöße ihrer Nutzer haben, die auf den Plattformen Streams der WM in Brasilien schalten oder verlinken. Damit nicht genug, bietet die FIFA sogar eigene Augen - und sogar Hände.

Nach Meinung der FIFA seien Anbieter wie etwa Firstrow oder Rojadirecta Torwarte, die kein WM-Bit ihrer Nutzer durchlassen dürften. Und sollte die FIFA doch Bälle im Tor sehen, sei diesen Streams sofort die rote Karte zu zeigen, andernfalls man an den grünen Tisch bitte. Während sich die FIFA auch sonst mit dem Kamerabeweis schwer tut, so kündigte sie an, die Hoster intensiv zu überwachen.

Da es jedoch für die Anbieter jedoch lästig ist, in den vier WM-Wochen auf Zuruf Streams dicht zu machen, und das möglicherweise erst nach dem jeweilige Abpfiff gelingt, bietet die pfiffige FIFA eine bequeme Lösung an: So mögen die Anbieter doch bitte ein Tool der Firma NetResult installieren, mit dem die FIFA in ihrem so zu bildenden Imperium unerwünschte Angebote ferngesteuert selbst ausknipsen kann.

Hatte bislang die Urheberrechtsindustrie mit Anwälten und Prozessen Druck ausgeübt und Staaten zu Internetsperren und Three Strikes stimuliert, will die FIFA in ihrer Allmachtsfantasie also sogar selbst ihr digitales Beil bei Streaminganbietern ansetzen. Von ähnlicher Unverschämtheit war das Timing, denn ihre vermessene Aufforderung, dem digitalen Zensor Zugriff auf die Systeme zu erlauben, versendeten die unsportlichen Fußballverwerter nur wenige Tage vor dem Beginn des Sportereignisses - ein klares Foul.

Technisch versierte Nutzer können über solcherlei nur staunen. Streams lassen sich im international organisierten Netz wohl finden, etwa in Ländern, in welche selbst der mächtige Arm des organisierten Balltretens nicht reicht.

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