Facebook und Twitter, und die Ecke dahinter

Wenn die US-Einreisebehörden anfangen, Social Media von denen zu durchleuchten, die mit einem Visum einreisen wollen, dann kann das heikel werden, wenn sie nicht wissen, wo sie aufzuhören haben

Stell Dir vor, Du willst in die USA einreisen, freust Dich auf Deinen längeren Aufenthalt, hast sogar ein Visum beantragt und wirst eine Weile in Harvard arbeiten. Ein Lebenstraum geht für Dich in Erfüllung. Du landest fröhlich am Flughafen in – sagen wir – Boston, stellst Dich brav an der Schlange an, die zum Grenzoffizier führt und zeigt nichtsahnend Deine Papiere. Und weil Du Dir immer noch nichts dabei denkst, machst Du ihm auch noch Dein Device und die darauf befindlichen Social-Media-Kanäle zugänglich. Dann wird es plötzlich ernster. Der Offizier geht Dich verschärft an, weil er in der Timeline Posts Deiner Freunde findet, die die offizielle Meinung der US-Regierung nicht wirklich teilen (um es einmal vornehm auszudrücken). Und schon wird Dir die Einreise verweigert und man schiebt Dich wieder ab. So geschehen neulich.

Eigentlich ist es immer noch freiwillig, wenn man bei der US-Einreise seine Social-Media-Accounts den Grenzkontrollen öffnet, aber sag einfach mal, dass Du das auf Verlangen nicht willst und dass Dich das irgendwie unangenehm berührt. Kannst machen, wird aber nicht gut laufen für Dich. Vermutlich kommen die Damen und Herren eh über andere Quellen an Deine Accounts, schließlich sitzen Google, Facebook und Twitter ja vor Ort. Und deshalb rückst Du lieber gleich Deine Daten heraus, alles andere macht Dich ja sonst nur noch verdächtiger.

Und dann meint der Kumpel von neulich, er ist unglaublich lustig, wenn er Dir Sprengwestenwitze auf Deine Timeline klebt, während Du im Flieger sitzt. Kann man machen, ist jetzt natürlich ein total naives Szenario und würde auf keinen Fall zur Verweigerung Deiner Einreise in die Staaten führen, man ist ja nicht blöd und/oder naiv.

Kannst ja ausprobieren, wird nix passieren.

Allerdings, wenn Du dann bei einem schief gegangenen Versuch in einer Abschiebezelle sitzt und Dir immer noch überlegst, ob es das wirklich wert war mit dem Witz und dem Test, wirst Du Dich auch fragen, wo diese Behörde denn nun genau die Kontrolle einstellt. Beim Freund, der Dir was gepostet hat, oder beim Freund des Freundes, der Dir was gepostet hat? Oder beim Freund des Freundes des Freundes... Es soll ja diesen komischen Effekt geben, dass quasi alle Menschen sich über fünf Ecken auf der Welt kennen. Wenn das jetzt ein Officer der Heimatschutzbehörde in – sagen wir – Boston nicht weiß und Dich über fünf Ecken mit dem IS in Verbindung bringen kannst, hast Du nach der Landung erst einmal ausgespielt, mein Freund.

Oder aber die US-Behörden legen endlich einmal offen, was sie denn nun genau wie weit kontrollieren, wenn sie ein wenig Social Media bei der Einreise sehen wollen. Das wäre schon nett. Dann kann man einfach sein Device löschen oder zumindest noch einen juristisch eindeutigen Post vorher absetzen, dass jegliche Ähnlichkeit mit lebenden oder toten Personen zufällig... Du weißt, was ich meine.

Da fällt mir ein, dass ich bei meiner letzten Einreise in die Staaten gelangweilt, weil ich nun schon gefühlte zwei Stunden vor dem Schalter Schlange stand, ein Foto von der gleichen Schlange schoss und auch noch in Facebook postete... vor meiner erfolgreichen Einreise. Eigentich hatte ich nur Glück und war rein biologisch betrachtet eigentlich schon tot.

Social Media und Einreisen macht heutzutage in den USA zumindest keinen Spaß mehr.