Facebook zensiert den "Ursprung der Welt"

Ein dänischer Künstler zeigte auf seiner Faceboke-Seite Courbets Gemälde, was aber mit den Nutzungsbedingungen des amerikanischen sozialen Netzwerks kollidierte

Probleme hatte Facebook mit einem dänischen Künstler, der auf seiner Facebook-Seite ein Kunstwerk zeigte, das nicht gefiel. Immerhin ging es um eines der bekanntesten Bilder des nicht weniger bekannten französischen Malers Gustave Courbet (1819-1877), der mit seinem Realismus, u.a. von Frauen in anzüglichen Posen, schon zu seiner Zeit provozierte, was auch noch 150 Jahre später der Fall zu sein scheint.

Frodo Steinicke hatte auf seiner Facebook-Seite das Gemälde "Der Ursprung der Welt" (1866) gestellt. Das Bild, das im Musée d'Orsay in Paris zu sehen ist, erregte allerdings auf Facebook Abscheu, zeigt es schließlich ziemlich realistisch die behaarte Möse einer nackt daliegenden Frau. Das Bild spielt mit der Vulva als Objekt des sexuellen Begehrens und als Ort der Geburt. Lange Zeit war der Psychoanalytiker Jacques Lacan Besitzer des Bildes. Wie bei den Vorbesitzern hat man es lieber nicht öffentlich ausgestellt. Selbst Lacan versteckte listig das Bild, indem er vor es ein weniger deutliches, "sublimiertes" Gemälde von Masson anbrachte, das man wegschieben musste, um die von Courbet gemalte Möse zu sehen. Das Masson-Bild diente somit als Vorhang oder als Bekleidung. Durch den erotischen Akt der Enthüllung oder Entblößung wird die Nacktheit erst interessant.

Courbets "Ursprung der Welt" ganz öffentlich im Musée d'Orsay . Bild: Public Domain

Weil bei Steinicke aber nichts verhüllt war und weggeschoben werden musste, nahm Facebook kurzerhand die Seite vom Netz. In den Nutzungsbedingungen heißt es nämlich kurz und knapp, von Meinungs- oder Kunstfreiheit ist nicht die Rede: "Du wirst keine Inhalte posten, die verabscheuungswürdig, bedrohlich oder pornografisch sind, zu Gewalt auffordern oder Nacktheit sowie Gewalt enthalten." In seinem Fall erklärte Facebook, so die Nachrichtenagentur AFP, dass nach den Nutzungsbedingungen Nacktheit verboten sei. Man wolle ein "virtueller Ort" sein, den man "sicher" besuchen könne und den auch zahlreiche Kinder nutzen würden.

Steinike fand das nicht in Ordnung, sondern bezeichnete es als einen Akt der Zensur, schließlich handele es sich um ein berühmtes Gemälde, das Teil des kulturellen Erbes Frankreichs sei. AFP erklärte Steinicke, er habe es veröffentlicht, um seinen Kommentar über eine Sendung von DR2 über das nackte Geschlecht zu illustrieren.

Aber dem Künstler scheint seine Präsenz auf Facebook doch wichtiger gewesen zu sein als die Freiheit der Kunst. Er bedauerte seine aus Missachtung der Nutzungsbedingungen gemachte Aktion gegenüber Facebook. Also schaltete man seine Seite wieder frei, ohne das Bild, das für ihn weiterhin nichts Pornografisches hat. Aber Facebook mag Nacktheit, Kunst oder Pornografie hin oder her, einfach nicht. Das scheint Facebook mit Wikipedia gemeinsam zu haben, allerdings ging es dort um ein Foto, nicht um das Gemälde eines Künstlers ( Wikipedia: Feuchtgebiet 2.0).

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