Familiengeheimnisse

Werden diese Woche die letzten Kennedy-Akten freigegeben?

Kommenden Donnerstag läuft die Frist für die angekündigte Freigabe der noch gesperrten JFK-Akten aus, sofern es keine zwingenden Gründe geben sollte, diese auch ein halbes Jahrhundert nach dem Präsidentenmord weiterhin geheim zu halten. Ursprünglich hätten die Akten nach dem JFK-Act bereits vor einem halben Jahr freigegeben werden müssen. Demnächst will der aktuelle Präsident die Sache entscheiden.

Die Energie, mit welcher die CIA Nachforschungen zum Attentat behinderte und hierzu eigens gegen Skeptiker den psychologischen Kampfbegriff „Verschwörungstheoretiker“ einführte, nährt den Verdacht, als habe man etwas zu vertuschen (50 Jahre "Verschwörungstheoretiker"). Der offizielle CIA-Historiker David Robarge beschwichtigt gerne und verlautbart, die CIA habe sich stets kooperativ verhalten und mit einem gut gemeinten Cover Up lediglich anderweit peinliche Informationen schützen wollen.

Doch für bekannte Experten wie Prof. Peter Dale Scott macht sich Robarge mit derart leicht zu widerlegenden Propaganda unglaubwürdig, was Zweifel weckt, ob diese Woche wirklich die Kennedy-Akten ans Licht kommen. Denn die CIA war bei der Aufklärung des Kennedy-Attentats alles andere als kooperativ: CIA-Chef Richard Helms, einst rechte Hand seines Vor-Vorgängers Allen Dulles, hatte die Warren-Kommission dreist belogen.

So beschwor Helms unter Eid, dass die CIA alle ihre Informationen über den vorgeblichen Attentäter Lee Harvey Oswald der Warren-Kommission übergeben hatte. Tatsächlich allerdings geht aus neueren Freigaben hervor, dass die CIA Oswald seit Jahren und in den Monaten vor dem Attentat sogar sehr intensiv beobachte. Oswald war offenbar so wichtig, dass sich der operativ mächtigste CIA-Schattenmann James Jesus Angleton die Erkenntnisse persönlich berichten ließ (500.000 $ für einen toten Agenten).

Helms verschwieg der Warren-Kommission auch die Kleinigkeit, dass sich die CIA sehr wohl mit der Liquidation von Staatschefs befasste, vorzugsweise Fidel Castro. Der allerdings war 1963 nicht mehr so recht in Reichweite.

Während etliche andere Bundesbehörden wie FBI, Marinegeheimdienst, Air Force und sogar der Secret Service zwar ebenfalls Informationen zurückhielten, scheint die CIA die einzige zu sein, die an dieser Praxis festhält.

Geheimdiensthistoriker Nate Jones, der das Freedom of Information Act-Project des National Security Archive leitet, glaubt nicht an eine Freigabe der brisanten Akten. Es sei nicht zu erwarten, dass Präsident Trump insoweit anders handele als seine Vorgänger, die sich von der Geheimdienst-Lobby eine Gefahr irreparabler Schäden einrede ließen.

Da Trump inszwischen den CIA-Chef zum obersten Sicherheitsberater machte, ist eher nicht zu erwarten, dass der ungewöhnliche Präsident sein angespanntes Verhältnis zu den Geheimdiensten weiter belasten wird. Wer sich nicht auf Trump und die CIA verlassen möchte, kann die Auflösung des Kennedy-Mysterys hier nachlesen:

Die magische Kugel des Allen Dulles

Das Schachbrett des Teufels

William King Harvey und die Lizenz zum Töten