Fataler Fehltritt des spanischen Königs

Während das Land tiefer und tiefer in der Krise versinkt, geht der Staatschef zur teuren Elefantenjagd nach Botswana

"Das Land steht am Abgrund, doch der König geht Elefanten jagen." Dieser Satz von Ángel F. Fermoselle im Blog der rechtsliberalen Tageszeitung "El Mundo" bringt die Empörung auf den Punkt, die dem spanischen König entgegenschlägt. Bei einem Jagdausflug hatte sich Juan Carlos de Borbón Ende der vergangenen Woche in Botswana die Hüfte gebrochen. Er wurde danach im Privatflugzeug in die spanische Hauptstadt Madrid geflogen, wo er sich am Samstag operieren ließ.

Dass sich der Staatschef nicht in Spanien aufhielt und ein Land besuchte, in dem Spanien nicht einmal eine Botschaft unterhält, lässt viele vermuten, er habe zu verschleiern versucht, auf Kosten der Steuerzahler seinem zweifelhaften Hobby nachzugehen. Regierungschef Mariano Rajoy habe nur gewusst, dass er am Ostermontag abwesend sei. Während Rajoy schweigt, erklärte sich ein Sprecher seiner Volkspartei (PP). Der Ministerpräsident habe vom Aufenthalt des Königs in Botswana erfahren, "als sich der Unfall ereignete", sagte Carlos Floriano. Die diplomatische Betreuung übernahm dann das benachbarte Namibia.

Ohne den Unfall hätten die Spanier wohl nie erfahren, dass Juan Carlos seinem teuren Hobby frönt, während sogar im Bildungssystem sehr tiefe Einschnitte erfolgen. Ohnehin wurde am Budget der Königsfamilie kaum gekürzt. Auch ohne die üblichen königlichen Begleiter kostet eine solche Safari nach Angaben der Zeitung "Público" mindestens 37.000 Euro. Und es war nicht seine erste Elefanten-Safari. Auf der Webseite von Rann Safaris prangte lange ein Bild, auf dem Juan Carlos mit dem Firmenchef Jeff Rann vor einem toten Elefanten posiert, den er 2006 abgeschossen hat. Man hat zwar keinen Zugang mehr zu den Seiten, doch das Bild kann an vielen anderen Stellen gefunden werden.

In einer Umfrage hat El Mundo ermittelt, dass 95% der Bevölkerung es ablehnen, dass der König gerade dann auf Jagd geht, wenn das Land eine schwere Zeit durchmacht. Es wird erwartet, dass auch Spanien bald Nothilfe des EU-Rettungsschirms braucht. Die Zinsen für Staatsanleihen steigen immer weiter. Mit über 6% nähern sie sich gefährlich der Marke, an der Griechenland, Irland und Portugal Nothilfe benötigten.

Dass der König ausgerechnet Ehrenmitglied der spanischen Sektion der Umweltschutzorganisation WWF ist, empört viele Menschen ganz besonders. Mehr als 50.000 Menschen haben in kurzer Zeit eine Petition unterzeichnet. WWF-Spanien wird aufgefordert, Juan Carlos von dem Posten zu entheben, weil "seine Handlungen nicht vereinbar mit der Arbeit und der Mission" seien.

Während sich Rajoys königstreue PP jeder Kritik enthält, werden bei den oppositionellen Sozialisten (PSOE) Stimmen laut, die sich deutlich vom König absetzen. Der PSOE-Generalsekretär für die Region Madrid ging besonders weit und forderte den König nun sogar zum "Thronverzicht" auf. Tomás Gómez sagte, die Zeit sei reif, dass man sich auch im Königshaus zwischen Verpflichtungen und dem Privatleben entscheide. Offiziell drückt sich die sozialdemokratische Partei um eine Aussage herum. Der PSOE-Chef Alfredo Pérez Rubalcaba erklärte wegen des Entrüstungssturms nur, er könne die "Kritiker" verstehen.

Die Vereinte Linke (IU) spricht von einem "Mangel an Ethik und Respekt" vor Millionen Menschen im Land, die schwer unter der Wirtschaftskrise leiden, ihre Wohnungen verlieren und oft keinerlei staatliche Unterstützung mehr erhalten. Der IU-Generalkoordinator Cayo Lara wirft dem Monarchen vor, gelogen zu haben. "Es raubt mir den Schlaf", hatte Juan Carlos Mitte März angesichts der Tatsache gesagt, dass schon jeder zweite junge Spanier unter 25 Jahren arbeitslos ist. "Wir werden keine wirkliche Demokratie haben, bis der Staatschef von den Bürgern gewählt wird", fügte Lara an. Er erinnert, dass es Diktator Francisco Franco war, der die Monarchie restaurierte und Juan Carlos 1975 vor seinem Tod zum Nachfolger ernannte.

In den letzten Monaten stolpert die Königsfamilie von Skandal zu Skandal, mit dem sie ihre Stellung weiter untergräbt. So wurde nicht nur bekannt, dass der König mit den Putschisten 1982 sympathisierte, sondern erst zu Ostern sorgte die Nachricht für Aufregung, dass sich der 13-jährige Königsenkel Felipe Juan Froilán bei Schießübungen auf einem Landgut seines Vaters versehentlich mit einem Schrotgewehr in den Fuß geschossen hat. Er benutzte eine Waffe, die für Kinder verboten ist. Seit einigen Monaten sorgt zudem die Affäre um Iñaki Urdangarin für Schlagzeilen. Der Schwiegersohn des Königs muss sich bald wegen Korruption vor Gericht verantworten.