Fernsehen aus der Zeit vor der Verluderung

Auf BR alpha kämpft Friedrich Freiherr von der Trenck gegen mehrerlei Despotie

Heute und morgen laufen auf BR alpha die wahrscheinlich besten 85 Minuten im Fernsehjahr 2008. Die Rede ist vom fünften und mit Abstand eindrucksvollsten Teil der 1973 in etwas anderer Aufteilung erstmals ausgestrahlten Serie "Die merkwürdige Lebensgeschichte des Friedrich Freiherrn von der Trenck" mit Matthias Habich in der Hauptrolle. Deren Vorlage war eine 1787 erschienene Autobiographie mit dem vollständigen Titel "Des Friedrich Freiherrn von der Trenck merkwürdige Lebensgeschichte. Von ihm selbst als ein Lehrbuch für Menschen geschrieben, die wirklich unglücklich sind oder noch gute Vorbilder für alle Fälle zur Nachfolge bedürfen".

Die etwas über diese Autobiographie hinausgehende Verfilmung von Fritz Umgelter und Leopold Ahlsen handelt vor allem davon, wie ein anfangs forscher und etwas übermütiger junger Mann von vier politischen Systemen betrogen und gebrochen wird: Von der preußischen Disziplinierungsdiktatur, der bürokratisch-intriganten Donaumonarchie, vom korrupten Zarenreich und zuletzt von der jungen französischen Republik, die ihn 1794 als angeblichen (oder vielleicht auch wirklichen) Spion guillotinieren ließ.

In der heute Abend um 20 Uhr 15 und morgen Nachmittag um 16 Uhr ausgestrahlten fünften Folge ist Trenck (wie in zahlreichen Situationen davor) hauptsächlich dabei, auszubrechen: mit primitivsten Mitteln wie Teilen seiner Fußkette, Brot und Wasser. Der bittere alte Preußenkönig betont von Anfang an, ihn nur deshalb unschuldig eingesperrt zu lassen, um ihn zu "erziehen". Bereits in der ersten Folge tadel-lobt er Trenck mit dem für die ganze Serie gültigen Satz „Ich höre wunderbare Dinge über ihren Verstand. Doch es scheint, dass sie verludern“.

Mit der 2003 gezeigten ZDF-Schmonzette "Trenck - Zwei Herzen gegen die Krone" hat die Produktion von 1972 noch sehr viel weniger zu tun als das ProSieben-Remake des Seewolf mit dem deutsch-französischen Abenteuervierteiler von 1971. BR alpha zeigt bereits seit mehreren Jahren in der Vorweihnachtszeit Mehrteiler aus den 1960er und 1970er Jahren. Diese sind von unterschiedlicher Qualität, vermitteln im Allgemeinen aber doch das Bild eines Fernsehprogramms, dessen Möglichkeit aus heutiger Sicht fast wie Zauberei erscheint.